Konzept Katze on Tour – Franken Oktober 2013

, am 1. November 2013

Gute Erinnerungen hatten wir an die Auswärtsfahrt nach Fürth im Mai 2010 mit Besuchen von Weingütern in Franken. Leckere Weine in Bocksbeuteln, gute fränkische Spezialitäten auf dem Teller und ein herrlicher Auswärtssieg mit anschließendem Aufstieg. Dieses Jahr passte die Terminierung mal wieder perfekt in die Kalender der vinophilen St. Pauli-Crew. Um kurz vor 7 am Sonntag morgen stiegen C. Grenouille, B. Adbankster, Kate Ring und ich in den ICE nach Würzburg. Kurz hinter den Elbbrücken um 7.34 Uhr gab es den ersten Zahnpasta-Zerstörer vom Weingut Stahl (ein Silvaner). Es sollte der Start in eine schwierige Beziehung zwischen uns und einer der ältesten noch kultivierten Rebe. Das Bückstück von Grenouille, ich meine der gleichnamige Riesling feinherb von Knebel hellte die Stimmung merklich auf. Bis zum Umsteigen in Würzburg um kurz nach 10 mineralisierte der Eisbach Riesling von Battenfeld-Spanier den letzten Zahnschmelz weg. Die letzten beiden Weine waren ein Gedicht und mit eben so einem stiegen wir in die Regionalbahn nach Fürth um. Die Reisegruppe vom Fanladen erfreute den Regionalzug, mal mehr und mal weniger. Es war auf jeden Fall ein Wunder wie manche Menschen in der kurzen Fahrzeit noch mehr trinken können als wir mit 3 Flaschen Wein zu Viert. Kate Ring kam ihrem Versorgungsauftrag nach und aus Coffee-to-go-Bechern genossen wir einen Spätburgunder JS von Jean Stodden. Einen 20-Euro-Stoff aus Pappe zu trinken ist einem Aufstiegsaspiranten würdig. In Fürth lösten wir uns von der Gruppe, um Aberglaubenmäßig den gleichen Weg zum Stadion zu nehmen wie 2010. In der fränkischen Gaststube „Walhalla“ gab es ein sehr leckeres Zirndorfer Bier vom Faß und lüsterne Blicke auf die Eisbeine und Schweinshaxen um uns herum. Leider hatten wir nicht genug Zeit, um uns länger diesen Genüssen zu frönen. Das Spiel ist schon 2 Wochen her und was soll man dazu schreiben?! 4:2 gewonnen, das Herz rasend gemacht und sich wie so oft über die Trottel geärgert, die die Auf- und Abgänge versperren und außer katholischen Schimpftiraden „Kruzifix, du V…e“ nicht viel Erhellendes zu den 120 Minuten Stadionaufenthalt beitrugen. Um das Stadion herum war alles fein, kein besonderer Nerv durch bayerische Uniformen. Mit dem ersten Zug nach Spielende eroberten wir Würzburg und die wunderschöne Ferienwohnung vom Weingut am Stein mit Blick auf die Studentenstadt am Main. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Tunnel des Schreckens inklusive per Edding gemalter Gewaltandrohung der „Haudegens Würzburg“ zog es uns an die Mainbrücke zu einem gepflegten Schoppen. Leider waren die Weine der Winzergenossenschaft Würzburg dem Ausblick und der Lage nicht würdig. Nach einer schroffen Ablehnung im Restaurant Backöffe ging es in die Weinstube vom Juliusspital. Der uns aufgedrehte Silvaner Würzburger Stein war uns zu grün, obwohl die Lage Würzburger Stein 1655 die erste Lage überhaupt war in der Silvaner in Deutschland angebaut wurde. Der Riesling erste Lage aus dem Kronsberg hingegen bog den Abend gerade. Zurück durch die menschenleere Innenstadt erfreuten wir die Einwohner_innen noch mit dem neuen Motto unserer Touren „Riesling für uns! – magisches St. Pauli!“. In der Ferienwohnung fand irgendjemand den Schlüssel zum Weinkeller und nach dem Silvaner Sekt brut gab es noch den Spätburgunder zu genießen.

Genug wellness! Nach einer kurzen Nacht auf dem Sofa spazierten wir durch die größte zusammenhängende Einzellage Deutschlands, dem Würzburger Stein mit 85 Hektar. Man sieht die Lage auch im Vorbeifahren aus dem ICE. Auf dem Rücken der Lage befindet sich das Weingut Reiss. Familie Reiss war mitten in der Lese aber hatte sich trotzdem die Zeit
genommen mit uns ausführlich eine Probe zu machen und die Weine zu erklären. Wir wurden sehr freundlich empfangen und nach dem 13. Wein (einer Rieslaner Spätlese) fiel das Resümee einhellig aus. Gute Weine mit ein paar Ausreißern nach oben und die Silvaner-Beere hat sich durch den Sekt brut etwas an unsere Gaumen angenähert. Dem einen gefiel noch der „novembris“ und die Riesling Spätlese, ich kann die Riesling Kabinett vom Thüngersheimer Scharlachberg (35 Jahre alte Reben) sehr empfehlen!
Das Klackklack der Rollen von Grenouilles-Hackenporsche begleitete uns zurück in die Innenstadt von Würzburg. Das malerische, bezaubernde Würzburg, dass ich von den Märklin-Eisenbahnen kenne haben wir leider nicht entdeckt. Nur 2-3 Einkaufsstraßen mit den üblichen 70er-Jahre-Bauten. Schließlich trafen wir aber wieder auf das Weingut Juliusspital. Das zweitgrößte Weingut Deutschlands, gegründet worden um den Menschen ein bezahlbares Spital zu bieten. Immer noch dient der Weinverkauf der Finanzierung des Spitals. Sozialverträglich trinken für Fortgeschrittene.

Wir bekamen mal wieder ein VIP-Treatment, wie es sich für langjährige Profi-Trinker äh Weinprobierende gehört. Spaß beiseite. Wir sind immer wieder begeistert mit wieviel Engagement, Freude und Gastfreundschaft wir empfangen werden, obwohl wir keinen Gastro-Betrieb mehr haben. Knapp 15 Weine durften wir probieren bevor es zurück nach Hamburg ging. Das war schon ganz große Liga. Sehr leckere Weine, kaum etwas traute man sich auszugießen. Die einfachen Gutsweine 2012 Weißburgunder und Scheurebe schon sehr lecker, wurde es bei den Ersten Lagen richtig fein.
Nur die Silvaner, egal ob Kolper- oder Muschelkalkboden schafften es nicht in die Bestellzettel der Anwesenden. Der Premiumwein und die Großen Gewächse sollten uns noch die ganze Rückfahrt begleiten und eine sehr amüsante Tour mit geschmacklich bleibenden Eindrücken abschließen.

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