Zu Besuch in der Champions-League

, am 17:21

Blick auf die Nahe an der Oberhausener Brücke….

Unser Lieblingsverein FC St. Pauli spielte beim Karlsruher SC und Stamm-Weinbar-Tour-Mitfahrer B.Adbankster musste am darauffolgenden Tag in der Nähe von Bad Kreuznach arbeiten. Die perfekte Verbindung von Fußball und guten Wein rief schallend nach uns und wir folgten gern und probierfreudig.

 

 

 

 

 

 

 

Es gab schon viele Proteste wegen der kurzfristigen und unmöglichen Ansetzungen der Fußball-Offiziellen aber ein Spiel von St. Pauli in einem Weingebiet während der Lese zu machen, ist eine absolute Oberfrechheit. Glücklicherweise hatte Klumpp senior mit uns Mitleid und nahm sich viel Zeit zwischen Burgunder- und Riesling-Lese. 1983 gründete Ulrich Klumpp im nordbadischen Bruchsal das Weingut. Heute arbeitet die komplette Familie nach biologischen Maßstäben und teilweise sehr gereifte Reben bringen vielschichtige Weine mit Terroir-Charackter.

 

 

 

 

 

 

 

In etwas mehr als zwei Stunden lernten wir viel über die Gegend rund um Bruchsal und probierten 17 Weine. Die 2010 Rosé Cuvée aus Lemberger, Spätburgunder, St. Laurent und Cabernet Sauvignon wird den Weg auf unsere Weinkarte finden und den Rosé von Hensel ersetzen.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Abschluß führte uns der Chef zu den frisch abgefüllten Rot- und Weißweinen und zog eine Faßprobe. Sehr freundliches und gutes Weingut, dass sicherlich noch des öfteren über unsere Zungen fließen wird.

Meine Top-3 des Weingut Klumpp:

1. 2010 Himmelreich Riesling:

Die Flasche war schon 4 Tage offen und immer noch knackig-frisch. Sofort präsent und schmelzig.

2. 2009 Weiherberg Pinot Noir:

Dicke Suppe mit Einlage. Fantastischer Rotwein aus dem französischen Pinot-Klon. 100% im Barrique gereift und noch leicht verschlossen aber bietet viel Potential. Schon sehr samtig und voll.

3. 2008 Alte Reben Spätburgunder

Warum schmecken mir eigentlich immer die teuersten Weine so gut?! Die ältesten Spätburgunder-Reben werden hierfür genommen. Im Duft Kirschkompott, Flasche eine Woche offen und noch immer nicht voll präsent. Tropfen für die nächsten 10 Jahre. Lecker Schoki im Abgang – großartiges Gesöff!

 

 

 

 

 

 

 

Im Anschluß ging es zum Wildparkstadion von Karlsruhe. St. Pauli spielte den Schuh geruhsam runter und ungefährdet feierten wir in der Innenstadt noch einen 2:0 Auswärtssieg. Fußball und Wein – selten aber dieses Mal beide Sachen mehr als erfolgreich!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen ging es nach Oberhausen an der Nahe. Ein malerisches Wein-Dorf direkt an der Nahe und einem Teil der besten Lagen des gleichnamigen Wein-Anbaugebietes gelegen. Heute stellte C. Grenouille uns seinen Eltern vor, er brachte uns zu seinem Lieblings-Weingut. Ich kann es vorwegnehmen. Er hat nicht zuviel versprochen. Im Ortskern liegt das Weingut Dönnhoff. Seit Jahren zählt das Weingut zu den Besten Weingütern der Nahe und gewinnt auch regelmäßig die höchsten Auszeichnungen für Rieslinge. Gute Weingüter gibt es viele aber ich bin immer wieder begeistert, wenn auch die guten Weingüter einen herzlich willkommen heissen und einem alles mögliche probieren lassen. Die haben es meist nicht mehr nötig oder sind oftmals schon ausverkauft aber trotzdem wird man hervorragend in das Weingut und die Weine eingewiesen. Dazu gehören neben Dönnhoff auch Christmann, Meyer-Näkel, Aldinger, Adeneuer, Karthäuserhof, Hensel, Klumpp, Karlsmühle, Jost, Gunderloch, Knebel, Kreuzberg und auch Jakob Jung.

Heute probierten wir nahezu alles. Quer durch die acht Lagen, vom Kabinett bis zur Auslese und sogar den Versteigerungswein vom 25.9. bekamen wir auf die Zunge. Durchweg sehr gute Qualität. Schiefer- und Vulkansteinbetont, knackig, runde, mineralisch-scharfe Rieslinge. Bis vor ein paar Jahren war ich voll auf Rotwein gepolt, jetzt muss ich sagen bin ich ein überzeugter Riesling-Freak. Um so mineralischer, um so knackiger, um so besser. Besonders morgens um 10.30 Uhr, wenn die Sensorik noch in Höchstform ist!

Die Schwiegertochter vom Senior-Chef erklärte gekonnt die unterschiedlichen Böden und Weine und wusste auf jede Frage ne Antwort. Sehr sympathischer Auftritt einer ehemals weinfremden Rheinländerin.

Hier gibt es keine Top-3 oder Top-5 sondern es ragten ein paar Weine aus der durchweg schönen Auswahl heraus. C. Grenouille stand kurz vor dem Massenmord, denn er wollte für fast jede noch kaufbare Flasche seine Machete zücken. Mein Halbfinale der Wein-Champions-League von Dönnhoff:

1. 2010 Dönnhoff Riesling trocken. Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Für knapp 8 Euro bekommt man hier nen schön-saftigen Apfel vorgesetzt. Ein bisschen würzig, knackig-frisch. Mehr als ein Einstiegs- oder Gutswein.

1. 2010 Dönnhoff Tonschiefer. Leider konnte man keine einzige Flasche mehr loseisen. Ein Riesling von der Einzellage Leistenberg. Füllig, knackig und leicht.

1. 2010 Hermannshöhle Riesling trocken Großes Gewächs. Oha. Selbst Radio-Ikone W.Olf war mal die Sprache verschlagen. Großartige Tiefe. Bei mir stehen als Notizen nur noch schön!schön!schön! Leider schon ausverkauft.

1. 2010 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese Versteigerungswein. Möchte nicht wissen, was man dafür bei der VDP-Versteigerung hinlegen muss. Das ist ein 12-strophiges Gedicht. Da kann man an der Oberhauser Brücke ins Ruderboot steigen und hat in Bad Kreuznach immer noch den Abgang auf dem Gaumen. Nebenbei kann man seine Mitfahrerin noch romantisch verführen. Denn das ist ein Wein, der Türen öffnet… Vergesst die Diamanten und Swarowski-Kristalle – das hier lässt die Katze schnurren! (und das Trüffelschwein… )

Die fruchtsüßen waren wieder nicht so mein Fall aber während dort bei Grenouille und Olf die Ohren schlackerten badete ich meine Nase weiter in den Kahlenberg oder das Doppelstück, die man nicht unerwähnt lassen darf.

Kinder rebellieren gegen ihre Eltern. Da C. Grenouille mein Weinvater ist, finde ich natürlich Dönnhoff voll doof und hab am Brunnen meinen Mund ausgewaschen.

(Jetzt liest Papa nicht mehr weiter und ich reiße mir ne Flasche vom einfachen Riesling auf. Im meinem privaten Ranking hat Dönnhoff aus dem Stand die Medaillentreppchen errungen.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem kurzen Fußweg stärkten wir uns in einem pittoresk-charmanten Restaurant am naturgeschützten Fluss. Sehr gute Küche. Die Blutwurst war sehr gut und auch der Saibling lag gekonnt auf dem Kaiserschoten-Bett. Dazu tranken wir einen Riesling von Schäfer-Fröhlich, der ebenfalls überzeugte. So sollte das Leben immer weitergehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter ging es aber erstmal zu Fuß durch die Weinberge zum VDP-Weingut Gut Hermannsberg. Oben auf dem Hügel gelegen ist es jetzt seit kurzer Zeit in Privatbesitz und es wurde renoviert und gebaut. Wir waren etwas verwöhnt am Gaumen und durch die charmante Probe bei Dönnhoff. Unsere hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Hinzu kam, dass auch noch ein Wein korkig war, was den allgemeinen Eindruck trübte. Kann die Mitarbeiterin nix dafür aber irgendwie kam der Schwung nicht mehr in unsere Kehlen. Bis auf den 2010 Steinterrassen Riesling trocken gefiel mir keiner der probierten Weine so richtig und es ist mehr als schade, wenn man die Großen Gewächse nicht probieren darf. Ein Weingut beurteil ich immer nach dem Einstiegs-, dem Topwein und der Behandlung meinerseits. Beim Gut Hermannsberg fielen 1 und 3 durch und 2 durften wir nicht probieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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