Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus – nie wieder Zweigelt!

, am 10:12

Nazis Raus aus dem Weinbau!
Nazis Raus aus dem Weinbau!

Warum schenken wir keinen Zweigelt aus?

Im Rahmen einer unserer ersten Weinproben mit unserer mobilen Weinbar Sankt Pauli im Raval (Neuer Kamp 9) September 2009 hatten wir Österreich/Schweiz als Thema. Bei der Erstellung der Infos über die Weine stießen wir auf die unrühmliche Geschichte der Zweigelt-Traube, die von Friedrich Zweigelt gezüchtet wurde.

Wikipedia hat das gut zusammengefasst:

„Der Zweigelt oder auch Blaue Zweigelt ist eine österreichische Neuzüchtung aus dem Jahr 1922 von Friedrich Zweigelt (1888–1964), dem späteren Direktor der Höheren Bundeslehr- nd Bundesversuchsstation für Wein-, Obst- und Gartenbau (1938–1945), aus St. Laurent und Blaufränkisch. Friedrich Zweigelt nannte die Weinsorte „Rotburger“, erst 1975 wurde die Weinsorte im Zuge der Qualitätsweinrebensorten-Verordnung auf Hinwirken von Winzer Lenz Moser in „Zweigelt“ umbenannt. Zuvor gab es zuweilen auch Verwechselungen mit der Rebsorte Rotberger.

Der Grund für den Namen „Rotburger“ ist einfach: Friedrich Zweigelt wollte so auf die Herkunft der Sorte aufmerksam machen: „Klosterneuburg“. Auch ist es überraschend zu hören, warum Friedrich Zweigelt diese Sorte überhaupt erfand:  Zweigelt war ein überzeugter NSDAP-Anhänger, bereits vor 1938 (dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich) als „Illegaler“ für die NSDAP tätig. Er wollte sich und die Weinbauern unabhängig machen von sogenannten Nichtariern, da es damals absolut üblich war, dem Wein zusätzlich Färberwein, vor allem aus Italien stammend, hinzuzufügen, da der österreichische Rotwein damals sehr wenig farbintensiv war. Daneben waren natürlich auch die damals gängigen Gründe für Neuzüchtungen von Rebsorten ausschlaggebend: Höherer Ertrag und größere Widerstandskraft gegen Rebkrankheiten.

Bereits lange vor dem Anschluss war Friedrich Zweigelt illegaler Nationalsozialist. Sofort nach dem Anschluss im Jahr 1938 wurde er mit der Leitung der Weinbauschule Klosterneuburg betraut. Sein Vorgänger wurde zwangspensioniert. Aber Zweigelts Täterschaft während der NS-Zeit war viel dubioser, vor allem was seine Aktivitäten in der Aufdeckung der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz betrifft. Gegen ein Mitglied dieser Gruppe, den Schüler Josef Bauer, ging er als Direktor mit der vollen Härte des Disziplinarrechts vor und ließ ihn per Konferenzbeschluss der Gestapo ausliefern.

1945 endete zwar Zweigelts Karriere. Die Direktorenstelle in Klosterneuburg und die 1943 verliehene Dozentur an der Hochschule für Bodenkultur wurden ihm entzogen. Seine 1963 veröffentlichte Autobiographie aber lässt wenig Einsicht erkennen. So ist es nicht nur Gedankenlosigkeit oder historische Unkenntnis, sondern vielleicht auch Unverbesserlichkeit maßgeblicher politischer Entscheidungsträger, dass Österreichs prominenteste Rotweinsorte im Jahre 1975 im Zuge der „Qualitätsweinrebensorten- Verordnung“ in Zweigelt umbenannt wurde und damit nach einem prominenten, wenig gewandelten Nationalsozialisten benannt ist und dass seit 2002 mit höchster politischer Beihilfe jährlich auch ein Dr. Fritz Zweigelt-Preis mit einer entsprechenden Porträt-Medaille verliehen wird.“

Als politisch denkende Menschen und überzeugte Antifaschisten haben wir dem deutschen und dem österreichischen Weinbauverband einen Brief geschrieben mit der Aufforderung der Rückbennung der Traube in Rotburger. Es kam nicht mal eine Antwort. Daraufhin haben wir uns entschlossen nie wieder einen Zweigelt in unserer Bar auszuschenken und die Weintrinker_innen darüber aufzuklären.

Kick Zweigelt out of wine!

6 Reaktionen zu “Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus – nie wieder Zweigelt!”

  1. Bianca

    Eine gute Aktion, finde ich, und werde euren Infos folgend auf Zweigelt verzichten!
    Grüße aus Weimar,
    Bianca

  2. Spirale Millions

    Nun ja, Sachverhalte können manchmal wirklich trivial sein. Danke ;)

  3. Lota Mi

    Da fragt man sich beim groben Lesen von blog.weinbar-stpauli.de ja schon, ob man doof war. Herzlichen Dank für deine Erläuterungen

  4. Emil Pohl

    Es ist schon ein dicker Hund, den sich da unbelehrbare Winzer, Wirte und österreichische Politiker leisten.

    Tröstlich, dass es Menschen gibt, die das nicht nur anders sehen, sondern auch konsequent danach handeln.

  5. Jenö

    Danke für die Aufklärung. Zweigelt war mein Favorit.

    Wenn ich die wein-bar richtig verstanden habe, würde sie einen Rotburger schon ausschenken aber keinen “Nazi-Wein” mit der Bezeichnung Zweigelt.
    Jetzt trinke ich nur mehr Rotburger, auch wenn auf der Flasche Zweigelt draufsteht. Hoffentlich verfälscht das nicht den Geschmack.

    Übrigens: Guter Schmäh, von sich Reden zu machen.

  6. Josef Brunner

    habe erst jetzt Ihren Aufruf entdeckt, die Rebsorte Zweigelt umzubenennen. Ich kann nur sagen: BRAVO. Ich selbst trinke keinen Zweigelt mehr bis endlich der Name verschwindet.

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