Weintour nach Mallorca – Teil 2

, am 08:00

Die zweite Tour sollte in Richtung Osten gehen, in die Weingregion Pla i Llevant. Wir steuerten das Örtchen Porreres an. Das Weingut Celler Jaume Mesquida zu finden, gestaltete sich als schwierig, denn im Gegensatz zu den drei Weingütern der ersten Tour war hier nichts ausgeschildert. Nur dank des Navis im Weltwunderhandy iPhone kamen wir pünktlich an, um uns das Haus samt Keller und Produktionsanlage zeigen zu lassen. Diese uralten eingestaubten Flaschen, klasse. Wie wir live sehen konnten, arbeiten hier viele junge Leute. Geleitet wird das Weingut vom Geschwisterpaar Jaume und Barbara, die uns samt Baby im Wickel freudig begrüßte, aber gerade ordentlich um die Ohren hatte. Immerhin ist Erntezeit. Jaume war Weltenbummler und hat vor allem aus Südamerika wichtige Erfahrungen mitgebracht. Auf 45 ha wird biodynamischer Anbau betrieben. Ich sach nur “Geo Qi”, Ihr wisst schon… Da uns nur die mallorquinischen Sorten interessierten, ließen wir die Chardonnays links liegen und stiegen mit dem “Moli de Vent Blanc” 2010 ein. Ein Duft von Nelken, die in einer Zitronenscheibe stecken, um Wespen zu vertreiben (bringt übrigens nichts) steigt einem in die Nase. Die Cuvée aus Prensall, Macabeu und Parellada war mir aber ein bisschen zu trocken und leicht grasig und bekommt nur eine Windmühle.

Der erste Negre hatte den gleichen Namen, ist aus dem Jahr 2009 und im Stahltank ausgebaut. Mantonegro, Callet und’n büschn Cabernet für die Würze. Riecht leicht faulig und nach Feldlatrine. Intensiver Geschmack nach bitteren Beeren. Geht so. Drei Monate lag der 2009 “Gall Vermell” im Barriquefass, ein reinsortiger Callet. Der Duft erinnert leicht an Merlot, sonst recht trocken und wieder diese Bitterfrucht, wenn auch etwas feiner. Der nächste Step wurde mit dem 2008er Hausrotwein aus dem Jahr 2008 gemacht, der 10 Monate Holz sah. Callet und Mantonegro, ergänzt von Merlot und Syrah ergeben einen ausgewogenen Wein mit heftiger Kirschnote. Sehr unaufälliges Tannin und ne weiche Frucht. Schöner Stoff, drei Mühlen. Okay, entgegen der Absicht, nur mallorcatypische Sorten zu kosten, gab ich mir als Abschluss doch nen 2006er Syrah. Ein entspannter, gut ausbalancierter Kollege, doch auch kräftig dank 12 Monaten im Barrique.

Dann ging’s in Richtung Norden zu einem Ort namens Petra, wo wir ebenfalls einige Zeit durch die engen Gassen des Ortes kurven mussten, um das Weingut Miquel Oliver zu finden. Die Zeit der einfachen Tafelweine ist auch hier vorbei. Eine Besonderheit dieser Bodega ist, dass 19 verschiedene Barriques verwendet werden, was Chefin Pilar eine kreative Spielwiese verschafft, auf der sie sich austoben kann. Und das mit Erfolg, wie zahlreiche Auszeichnungen belegen. Leider war Pilar auf einer Weinmesse in Zürich und somit nicht anwesend und eigentlich auch niemand, der sich um uns kümmern konnte. Zum Glück hat uns Pep, ein Mitarbeiter, ein paar Weine zur Verkostung gegeben. Inmitten von Weinfässern ging’s mit dem Prensall los, der eine feine Fruchtnote und eine angenehme Frische auf der Zunge hinterließ. Es folgte ein 10er Callet/Fogeneu mit metallischem Duft. Geschmacklich recht mild und für sein Alter schon recht ausgewogen, wobei er auch kein Fass gesehen hat. Der 2008er “Mont Ferrutx” dagegen schon, und zwar 14 Monate in Zweit- und Drittebelegung. Das Besondere an diesem Wein ist, dass die Reben 50 m vom Meer entfernt wachsen, so dass man Wind, Jod und Seeluft herausschmecken soll. Das gelang mir zwar nicht, trotzdem schmeckt der Callet/Mantonegro/Fogoneu einfach herrlich! Zurückhaltendes Holz im Riechorgan, im Mund mollig mit ganz dezentem Tannin. Den Abschluss bildete der 08er “Ses Ferritges”, gemacht aus Callet, CS, Merlot und Syrah, alles eigene Trauben. 16-18 Monate in Zweitbelegungs-Barriques. Kräftige Kirschnote, starker Fruchtgeschmack, feines Tannin im Nachhall. Gutes Zeug, drei Windmühlen, der davor auch.

Dann stand der Besuch bei 4 Kilos an. Leider war es extrem schwierig, das Weingut zu finden, Ausschilderung absolute Mangelware und auch im Ort hatte keiner der befragten Homies jemals etwas von 4 Kilos gehört. Auch das mobile Internet und die Navi-Funktion des Handys führte uns ewig lang über irgendwelche ländlichen Buckelpisten, wo am vermeintlichen Zielort niemand was wusste. Irgendwann kamen wir an einer lütten Finca vorbei, natürlich ohne Schilder oder sonstige Hinweise, wo ich hinter der offen stehenden Tür ein Barrique-Fass sah. Und tatsächlich, wir waren da. Ein winziges Haus, wo Esel, Schweine und Hühner herumlaufen, das sollte also das international berühmte Weingut sein. Da war ein Hoschi am arbeiten, aber die Frau, mit der wir den Termin vereinbart hatten, die war schon beim Mittagessen und nicht mehr da, und danach ist ja Siesta, willkommen in Spanien, und dann wäre sie sie so gegen 18 Uhr wieder da, aber nur maximal bis 19 Uhr, dann ist Feierabend. Allerdings hatten wir wenig Lust, bei 29 Grad im Schatten 2 Stunden in der Gegend abzuhängen, um die Siestazeit zu überbrücken, zumal ein Strandbesuch an der mallorquinischen Ostküste fest eingeplant war. So hatten wir zwar keine Weine vor Ort probieren können, aber waren gefühlt ganz sicher die ersten Mitteleuropäer, die 4 Kilos besucht hatten…

Ich könnte an dieser Stelle noch ne ganze Menge über die Insel schreiben, die ich vor sage und schreibe vor 31 Jahren das letzte mal besucht hatte. Positives wie Negatives. Klimatisch und landschaftlich und was das kristallklare Wasser betrifft ist Mallorca ganz weit vorne. Geht man den Prolltouri-Strömen aus dem Weg (was allerdings gar nicht so leicht ist), lässt es sich hier herrlich leben. Und es gibt noch viele tolle Weingüter zu entdecken. Nachhaltig in Erinnerung geblieben ist uns auch die Festa Gastronómica “Tapalma”, eine wo eine Woche lang fast 50 Bars und Restaurants jeweils zwei spezielle Pintxos/Tapas zum Pauschalpreis von 2 Euro anbieten. Dazu gibt’s einen kleinen Weiß- oder Rotwein oder ne Cervecita für jeweils 1,20 Euro, perfekt also, um den ganzen Abend von Laden zu Laden zu tingeln und überall ne kleine Leckerei zu kosten. Genau mein Ding, ich war begeistert! Sowas müsste es in Hamburg geben, aber diese Pintxo-Kultur ist hier noch komplett unbekannt. Leider. Noch. Wir werden sehen…

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