Rheinhessisches Weinbattle

, am 17:46

Moderierte Probe Michael Beck / Hedesheimer Hof (Rheinhessen) in der Weinbar am 27.10.11

Der Grauburgunder vom Hedesheimer ist einer der beliebtesten Weine auf unserer Karte. Herrlich leicht, frisch, fruchtig. Und das für 1,90 € / Glas. Der in Fachkreisen auch “Graubi” genannte Wein hat mich vor über 10 Jahren zum Weintrinker gemacht. Es war ein Aha-Erlebnis, dass guter Wein nicht teurer sein muss, als das Zeug aus dem Supermarktregal.

In Zusammenarbeit mit den netten Kollegen von Wein und Boules (Schanzenstraße 14) sollte heute der Macher dieses Weines in der Weinbar zu Gast sein. Michael Beck heißt der Winzer, und er hatte natürlich noch einige andere seiner Erzeugnisse im Gepäck, die es zu verkosten galt.

Nach einem fruchtig-prickelndem Rosé-Secco als Opener traten fünf Mal jeweils zwei Weine gegeneinander (oder miteinander, je nach Sichtweise ;-)) an. Das erste Match gewann der 2010er Grauer Burgunder Stadecker Lenchen Kabinett trocken (uff, langer Name) mit einer 1A-Würznote, erstaunlich entspanntem Geschmack und feinfruchtigem Nachhall klar gegen den eher dezenten 2010er Silvaner, der leichtes Bitter am Ende aufweist.

Ein eher ungleiches Duell bot sich in der zweiten Runde mit einem zuträglichen Weißburgunder 2010 Stadecker Lenchen Kabinett, elegant und doch intensiv, und einer fetten im Barrique ausgebauten 09er Auxerrois Spätlese aus der gleichen Lage. Massives und würziges Zeug, perfekt zum Gänsebraten unterm Tannebaum. Werte ich als Unentschieden, wegen der unterschiedlichen Gewichtsklasse.

Dann duellierten sich die Rieslinge, eine 09er Alte Reben Spätlese mit süßlichem Pfeffer in der Nase und auf der Zunge, toller Stoff. Der zweite eine 10er Elsheimer Blume Selection Rheinhessen, dezentes Bouquet, geschmacklich mit feiner Frucht, recht mineralisch. Knapper Punktsieg für die ollen Weinstöcke.

Dann sahen wir Rot mit zwei Cuvées. Die 08er TRIOlogie (Spätburgunder, Dornfelder, Portugieser) hatte eine klare Kirschnote, am Gaumen entspannt, trotzdem mit Schmackes. Nicht übel, trotzdem Knock Out in the first round vom BC Beck Cuvée, auch aus 2008, gemacht aus Sankt Laurent, Spätburgunder und Portugieser, gereift im Barrique. Die Nase wird von noch üppigeren Kirscharomen umschmeichelt, ein Schluck ergab eine dicke, dunkle beerige Frucht.

Der Hauptkampf des Abends wurde von zwei im Barriquefass trainierten, reinsortigen Vertretern ausgefochten. Aus der linken Ringecke haute einem der 2007er Blaue Spätburgunder Selection Rheinhessen sein leicht stahliges, schönes Aroma um die Nase. Ein Magenhieb aus herrlich delikater Frucht, nicht zu herb, nicht zu lasch. Der Herausforderer, ein gleichaltriger Frühburgunder Stadecker Spitzberg, roch etwas streng, bestach aber durch eine wunderbar pflaumige Zungenschmeichelei. Ein guter Kampf, der vom Spätburgunder – mein persönlicher Held des Abends – für sich entschieden wurde.

Als krönenden Abschluss und Goodie obendrauf riss er noch eine Magnumflasche vom im Barrique ausgebauten 2004er St. Laurent auf. Obwohl nicht unbedingt meine Lieblingstraube fand ich den Wein, der kaum eine Spur des Alterns zeigte, ganz ausgezeichnet.

Michael Beck führte unterhaltsam und informativ durch die Probe. Sein lockerer und ungekünstelter Charakter in Verbindung mit seinem lustigen rheinhessischen Akzent kam bei allen Teilnehmern gut an. Und auch Michael gefiel es bei uns sehr gut, er mischte sich anschließend unter die Gäste zu Fachgesprächen oder zum Klönschnack.

Einige seiner Weine könnt Ihr bei Wein und Boules bekommen, einer der am besten sortierten Weinhändler Hamburgs.

 

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