Krieg der Sterne und die Leiden des jungen Werther

, am 21:29

Live: Phil

Weinbar Sankt Pauli, 17.11.11

Die Musik von Phil lässt sich ungefähr so beschreiben:

„Morgens zum Frühstück zum wiederholten Male ohnehin wirkungsloses Johanniskraut, abends erneut zu viel Hochprozentiges und den ganzen Tag an sie und ihn und es gedacht. Zwischendurch ein paar Verse zu Papier gebracht und in Endlosschleife auf der Gitarre geschrammelt. Ungefähr so entstehen Phils Lieder, vornehmlich an schlechten Tagen, vornehmlich im Herbst und Winter. Abschied und Innerstes sind das durchdringende Motiv seiner Texte. Immer Krieg der Sterne, immer die Leiden des jungen Werther. Darunter geht es nicht: Abschied von der großen Liebe, Abschied von der großen Stadt, Abschied von dem großen Ganzen. Dazwischen Anflüge von jugendlicher  Zuversicht und ein scheues Lächeln, irgendwo beim letzten Bier, morgens, in irgendeiner Bar. Denn eigentlich ist ja alles nicht so schlimm und die Melancholie ein Luxusproblem. Alles klingt irgendwie ähnlich, aber alles klingt irgendwie schön. Und alles ist irgendwie wahr und der Weltschmerz stets politisch. Ganz im Sinne von Peter Licht: „Melancholie ist für mich auch eine Art von stolzer Haltung, von Distanziertheit. Vielleicht eine der letzten Möglichkeiten, aus dem System auszutreten. Mit dem Melancholiker kann man keinen Staat machen.“

Wisst Bescheid? Trotzdem oder gerade deshalb ist Phil ein sympathischer und munterer Zeitgenosse, der die Weinbar mit allerlei skurrilen und interessanten Dingen wie dem Vorlesen fiktiver oder realer Beziehungsdrama-Briefen in seinen Bann gezogen hat. Dazu ein paar Songs, alles sehr, sehr emotional vorgetragen, sehr unterhaltsam!

 

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