Hölle, Hölle, Hölle

, am 08:00

VDP Tour Große Gewächse Verkostung – Teil 2

Und wiedermal kutschierte uns der 36er Schnellbus gen Hamburger Westen die Elbchausse runter. Eine Studie hat vor kurzem ergeben, dass Schnellbusse in Sachen Durchschnittsgeschwindigkeit mit 19 km/h gerade mal 2 km/h schneller sind als die ohnehin schon lahmen sonstigen Buslinien. Dafür aber schön teuer mit 4,55 Euro je Fahrt. Aber es passte gut, schließlich fuhr man auch in den wohl teuersten Hamburger Stadtteil, wo Normalsterbliche wie wir schon sechs Richtige im Lotto gewinnen müssen, um allein nur die Maklergebühr für ne schicke Elbblick-Villa bezahlen zu können… 

Egal, das Louis C. Jacob hatte ums wieder, die Probierfortsetzung der wohl besten Weißweine der Welt und einiger exzellenter Roter Kollegen kostete uns nur Durchhaltevermögen und Entscheidungskraft dafür, welche Weingüter man auslässt. Denn alle gehen nicht. Den wunderbaren Blick über den großen Strom samt vorbeiziehender Containerriesen im sonnigen Gegenlicht gab’s gratis obendrauf.

Heute waren dann die restlichen deutschen Weinregionen an der Reihe: Rheingau, Baden, Franken und Württemberg. Im übrigen war man als Nicht-Spucker wieder in der absoluten Minderheit. Aber Arbeit muss auch Spaß machen, und wir wollen ja nichts verschwenden. Im Gegensatz zu den bemitleidenswerten Händlern und Sommeliers.

Meine persönliche Strategie war heute zweigleisig: Zum einen wollte ich den Weingütern, die ich kenne und schätze, einen Besuch abstatten. Zum anderen sollte Bruder Zufall helfen: Wo gerade kein Andrang ist, ging ich hin und ließ mir was einschenken, in der Hoffnung, bislang unbekannte positive Überraschungen zu entdecken. So schaffte ich immerhin 70 Weine. Allerdings waren die Winzer sehr ungleich verteilt. Rheingau und Württemberg kenne ich jetzt in- und auswendig, während auf der Franken-Seite im Programmheft kaum Notizen zu finden sind. Das lag allerdings vor allem daran, dass es im Frankenraum immer so voll war, vermutlich weil dieser gleich neben dem Eingang liegt.

Ob das Niveau am letzten Montag oder heute höher lag, ist wie immer Geschmackssache. Vor einer Woche gab es hochklassige Rieslinge en masse, ohne nenneswerte Ausschläge nach unten. Allerdings wurde es auch irgendwann langweilig, denn innerhalb einer gewissen Bandbreite schmeckten die alle ähnlich. Ähnlich gut, klar, aber halt ähnlich. Heute gab es noch andere Sorten als Riesling oder Spätburgunder zu kosten, zum Beispiel Silvaner, Grauburgunder oder Lemberger. Die Unterschiede waren größer, was ich durchaus spannend finde. Und es gab einige Winzer, die Vertikalproben anboten, also mehrere Jahrgänge ein und desselben Weins. Man macht eine Reise in die Vergangenheit und kann herausschmecken, wie welche Jahre waren und wie sich der Wein entwickelt hat. Der 2003er Riesling Doosberg von Querbach/Rheingau war ein Gaumenschmeckler par excellence. Ein Weingut bot sogar einen 92er an und das Barth/Rheingau einen phantastischen Winzersekt, gemacht aus einem GG-Riesling. Hammerzeug, hat mit 125 Euro für ne Magnum allerdings auch seinen stolzen Preis.

Eine Toplist lasse ich mal an dieser Stelle. Folgende Weingüter haben bei mir einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen: Heger,  Huber (beide Baden), Fürst/Franken (geile Spätburgunder!), Barth, Johannishof, Künstler (08er Hölle – einfach himmlisch!), Querbach, Spreitzer (alle Rheingau) und Schnaitmann/Württemberg.

Aber wie gesagt, viele habe ich ausgelassen, aber da waren die anderen am Ball, deren Toplist bzw. Eindruck unten zu lesen ist.

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Heiko:

Meine TOP Riesling:

2010 STEIN-HARFE, Bürgerspital zum Heiligen Geist, Franken

2010 LUMP, Weingut zur Schwane, Franken

2010 STEINMORGEN, Weingut Baron Knyphausen, Rheingau

2010 WEISS ERD, Weingut Künstler, Rheingau

2010 SONNENBERG, Weingut Dautel, Württemberg

2010 LÄMMLER, Weingut Aldinger, Württemberg

Meine TOP Rotwein:

2009 LÄMMLER, Weingut Schnaitmann, Württemberg

2009 STEIN, Weingut Künstler, Rheingau

2009 HUNSRÜCK, Weingut Rudolf Fürst, Franken

2009 SOMMERHALDE, Weingut Bernhard Huber, Baden

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C. Grenoille:

Riesling im Vergleich zum letzten Mo. doch deutlichst schwächer………..

An meine willkürlichen Top-10 von vor 7Tagen kommt bei nur Johannishof Berg Rottland y  Künstler mit Hölle 10 y dann mit ein wenig Abstand  Hölle 08 einigermaßen heran.

Gut, Gips von Aldinger y der Götzenberg von Schnaitmann. Aber ALLES keinesfalls auf dem Niveau der Nahe, M-S-R oder vom IDIG ;-)

Diese Frankenteile haben oft immer so ne Birnenfrucht……., pero wer dat mag……. ;-)

Sylvaner? Hhmmm, wird auch nicht so mein Ding. Würze ja, aber der Säurebiß? Die mag ich oft als Auslesen, dann fruchtsüß lieber……..

Tintos: auch in weiten Teilen enttäuschend! Da war auch Einiges dabei, was eines GG unwürdig war y ich mußte mich oft doch beherrschen, um da keine Psychokrisen bei den Winzern auszulösen…… ;-)

Richtig geil war immerhin:

Fürst – Centgrafenberg Spätbg. 09 y 05

dann schon mit etwas Abstand:

Aldinger – Lemberger Lämmler 09 (den Spätsbg. fand ich von Schnaitmann besser)

Schnaitmann – Spätbg. Lämmler 09 (den Lemberger ……siehe eine Zeile darüber!)

Dr. Heger – Weißbg, Winklerberg + Spätbg. 09+ 07

Richtig schlimm waren einige Rheingau-Rieslinge. Wat ist bloß in dem Gebiet los? Boah ey, Weil – Gräfenberg, von der Presse total gehypt, wat fürn schlaffes Teil……..

Y Schloss Johannisberg -  Silberlack GG- das waren zu Zeiten von Kaiser Willhelm, Königin Victoria y dem Zaren mit die teuersten y gesuchtesten Weine der Welt!

Kannste auf alten Weinkarten im Adlon oder wo auch immer nachlesen….

Teurer als Premier Cru Bordeaux oder Bourgogne Romanee Conti…….

WAt für SCHEIßRIESLINGE! Eine Beleidigung des Gaumens!

Über den Rest des Durchschnitts mag ich nix mehr sagen……. habe fertig!

 

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