Weinbar on Tour in Südafrika – Abschnitt 1: Kapstadt, Camps Bay und Signal Hill Wines

, am 15:23

„Von Sandwichen, Linksverkehr und einer verpatzten Generalprobe“


Nach diversen Reisen mit Weinproben in Deutschland, im Elsaß, Spanien und Argentinien zog es mich und A. Landegg in diesem Winter nach Südafrika. Generell waren Übersee-Weine in der Weinbar Sankt Pauli nie so richtig ein Thema und in den Wein-Battles zwischen Weinen aus Südafrika gegen Weine aus Europa ging der Sieg meistens nach Europa.

Die südafrikanischen Weine zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 waren entweder spottbillig und nicht gut oder im oberen Preis-Segment und damit für eine Bar nicht verkaufbar. Auch der vielgerühmte „Chocolate Block“ hatte mich nicht vom Hocker gehauen. Aber viele Stammgäste schwärmten von den Weingütern in Südafrika, über 25 bis 35 Grad und strahlenden Sonnenschein im Februar beschwere ich mich auch nicht und das Essen soll auch ganz schmackhaft sein. Mit vielen guten Ratschlägen ging es über London nach Kapstadt.

Meine Vorfreude wurde auf dem Hinflug aber erstmal auf die Probe gestellt. Wir waren rechtzeitig am Flughafen in Hamburg, um nach London zu kommen und dementsprechend 5 Stunden vor dem Abflug von London nach Kapstadt. Trotzdem gab es schon keine zusammenhängende Plätze mehr für uns beide und wir bekamen Beide einen Mittelplatz. In der Wartehalle in London denkt man dann immer wieder „hoffentlich sitze ich nicht bei oder zwischen denen“. Laute deutsche Touristen in Sandalen, wohlbeleibte Männer in englischen Fußballtrikots und eine Gruppe XXL-Amis. Was hättet ihr gewählt? Ich bekam auf jeden Fall das Sandwich mit zwei XXL-Amis. Sie reisten gemeinsam aber wollten nicht nebeneinander sitzen, da es Ihnen zu eng ist. Na toll aber mich in die Mangel nehmen. Bei dem einen passten die Knie nicht unter den Tisch und sein Getränk landete somit auf meiner Hose. Der andere schlief sofort ein und seine Knie und Ellenbogen spalteten sich nach innen ab. Der Smalltalk mit Sandwich-Oberseite aus Chicago gab mir dann noch den Rest. Er arbeitete für die DEA, seine Frau für das FBI und meine schnarchende Sandwich-Unterseite ist seit 30 Jahren bei der amerikanischen Armee. Immerhin funktionierte der Fernseher und ich konnte so tun als wenn ich Tim und Struppi schaue und nicht mehr reden möchte.

Leicht genervt erreichten wir nach 14 Stunden Flug den Flughafen von Kapstadt und aus dem kleinen, zerdrückten Schlaflosen wurde ein aufgeregter Reisender. Erstmals auf dem afrikanischen Kontinent und erstmals auf meinen Fernreisen nicht die meiste Zeit allein reisend. Den Mietwagen abgeholt und schon begann das Abenteuer. Wenig Schlaf, der schlechteste Beifahrer der Welt und dann Linksverkehr. Der Scheibenwischer ging in einer Tour (statt dem Blinker), die Außenspiegel und parkenden Autos auf der linken Seite erschienen mir bedrohlich nah und dazu noch Rush-Hour. Als wir in unserer Unterkunft in Camps Bay ankamen war ich schweißnass und A. Landegg hätte mich gern wieder zwischen die beiden XXL-Amis gepackt.

Unser Bed & Breakfast entschädigte für die Anfahrts-Strapazen und auf dem Balkon mit Blick auf den Ozean gab es einen gescheiten Kaffee und die Anspannung wich so langsam. Dazu eine ordentliche Brise und strahlender Sonnenschein. Nach einem Bummel am Strand von CampsBay und einer kurzen Tour durch die Innenstadt von Kapstadt ging es zum ersten Weingut des Urlaubs. In Kapstadt und in den Außenbezirken gibt es einige Weingüter, wir suchten uns um 10.30 Uhr das Weingut Signal Hills inmitten des City Centers aus. Wenn die Generalprobe in die Hose geht soll der Rest ja gut werden. Die Generalprobe, der erste Besuch eines Weinguts in Südafrika, ging komplett in die Hose. Der Mitarbeiter war nicht so richtig vorbereitet auf einen Besuch am Vormittag oder auf Besuch eines tätowierten Vinophilen oder hatte einfach einen schlechten Tag erwischt. Tastings gibt es dort erst ab 3 Personen aber er hätte noch 3 Weine vom letzten Tasting offen und die könnten wir gern probieren. Das Tasting war aber locker schon ne Woche her und so schmeckten die Weine. Unser erster Kontakt zu südafrikanischen Wein war also eine Mischung aus “igitt“ und „ungenießbar“.

Das Tasting war kostenlos, es gab kleine Weingläser zum Probieren und die Weine waren nicht temperiert.

1.    2007 Grenache blanc. Ein Weißwein einer für mich bis dato unbekannten Rebsorte. 18 Monate im Holzfaß. Flach, ölig, wie ein schlechter Fruchtsaft

2.    2006 Cabernet franc. Die Weinberge liegen in der Ortschaft Constantia unterhalb des Tafelbergs. Sehr tanninig, zu beerenfruchtig, wenig Komplexität.

3.    2005 Syrah von Weinbergen des Helderberg bei Stellenbosch. Sehr säuerlich und untrinkbar. Wahrscheinlich schon hinüber nach einer Woche offener Flasche.

Im Anschluss gab es das erste leckere Fischgericht (Kingklip) in einem kleinen Restaurant und wir tranken einen fantastischen Pinotage vom Weingut Diemersfontein. Anschließend gingen wir zum Castle von Kapstadt, besuchten das Museum des District Six (ein Stadtteil der während der Apartheid von Schwarzen „gereinigt“ wurde und zu einem weißen Stadtteil wurde) und fuhren zum Tafelberg.

Gesamt-Ranking der besuchten Weingüter in Südafrika (Punkte von 1-10, 10 ist das Beste, es gibt 3 Kategorien. 1. Der Wein. Hier ist nicht die Anzahl der Weine entscheidend sondern die Qualität. Wenn es nur 2 verschiedene Weine gibt und diese sind sehr gut gibt es ebenso eine hohe Note, wenn von 10 angebotenen Weinen 8 topp sind. 2. Ambiente. Der Raum in dem probiert wird, das Weingut selber, der Blick, die Lage, die Gläser usw.. 3. Service: Die Durchführung der Probe, das Personal, das Interesse an einem usw.):

1. Signal Hill Wines . Wein: 1 Punkt, Ambiente: 3 Punkte, Service: 1 Punkt, Gesamt: 5 Punkte.

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