Klein, aber fein

, am 16:37

Rheinhessen-Präsentation Hamburg
Chilehaus 18.04.12

Es ist immer wieder schön, wenn man auf Hamburger Weinmessen guten Stoff verkosten kann und dazu die Infos direkt vom Winzer bekommt. Besonders mag ich die kleinen Messen, denn letztlich kann man eh nur eine begrenzte Menge an Weinen probieren, bevor die Geschmacksknospen kollabieren. Von daher habe ich von diesen großen Messen nicht so viel, und es ärgert mich doch immer, wenn ich 95 % aller angebotenen Gewächse schon aus kapazitätsgründen nicht testen kann.

Doch diesmal war´s für mich besonders klein, denn bereits nach ner guten halben Stunde musste ich wieder gehen. Irgendwelche Hornochsen sind auf die Idee gekommen, den Anstoß des “kleinen Derby”, also das Spiel der Rothosen-U23 gegen die unsere, auf 17 Uhr zu legen, und das unter der Woche. Und dort hinzukommen, gleicht ja schon einer halben Weltreise.

Nun ja, dann muss man halt Abstriche machen. Also langte es gerade mal zu drei der 16 anwesenden Stände. Als erstes wurde Michael Beck angesteuert, der ja in der Weinbar Sankt Pauli bereits eine Verkostung gemacht hat. Kurzer Smalltalk und dabei im Schnelldurchlauf die neuen Jahrgänge gecheckt. Wie immer gute Qualität, die würzigherbsüße Auxerrois-Spätlese, wenn man mal was abseits des Mainstream trinken will (wo wie ich immer gerne), der 2010 Alte-Reben-Riesling, der Portugieser und der 2007 Spätburgunder Selection.

Dann ließ ich mich zum Weingut Braunewell schicken, die sitzen wie Andreas Wagner in Essenheim. Ganz junge Leute, was oft mit Innovation und reduzierter Topqualität verbunden ist. Und oft sind das Weingüter, die noch unbekannt sind, aber hungrig und mit einem 1A-Preisleistungsverhältnis. Ich startete mit einem intensivfruchtigen Sauvignon Blanc, dann waren die beiden Graubis dran (klasse der 2011 Kalkmergel mit prickelnder Mineralik), anschließend die beiden größeren Rieslinge, wobei mir der “mittlere” mit seiner herrlichen Knackfrucht sogar noch besser gefiel als der Selection, der eher dezent in Richtung Apfel und Melone ging. Der 2010 Gutswein-Spätburgunder ein typischer Vertreter seiner Zunft, Erdbeer- und Kirschnoten und geschmacklich eher smooth. Der 2009 Kalkmergel-Späti hat Barrique gesehen, Zweit- und Drittbelegung, ne Runde Sache auf der Zunge.

Dann noch mal dem Tipp gefolgt und beim Weingut Knewitz gelandet. Auch so Jungspunde, exzellent. Der einfache 2011 Sponti-Riesling hatte schon einiges an Charakter, der würzige Appenheimer-Riesling war mir noch etwas zu säurebetont, wohingegen mir die Fassprobe des 2011 Riesling Hundertgulden schon was in die Nase und auf dem Gaumen zauberte. Und zwar den Wow-Effekt! Der Wein gewinnt durchs leichte Pimpen im großen Holzfass auf jeden Fall und könnte in einer Liga mit den Großen Gewächsen spielen, wenn Knewitz im VDP Mitglied wäre. Sindse aber nich. Leider geil – leider, weil auch preislich mit 20 Euro spitze.

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