Auftakt Tour VDP Grosse Lage in Berlin – zweiter Gaumenbericht

, am 15:31

Grenouille hat schon viel Richtiges in seinem Verkostungsbericht geschrieben. Generell ist das Niveau sehr hoch und es gibt eigentlich keinen Wein, den man ausspucken oder wegschütten müsste. Aber für den klaren Kopf und geraden Schritt waren wir dieses Mal extrem diszipliniert und das erste Mal waren vereinzelt die Menschen hinter den Verkostungstischen voller als wir davor. Nach drei Jahren in einer Gemäldegalerie fand die Jahrgangspräsentation der Grossen Gewächse dieses Jahr in einem alten Fabrikgebäude in Alt-Moabit statt. Der berühmte Knast war schräg gegenüber und der Laden war nach einem Spaziergang an der Spree entlang entspannt zu erreichen.

Neue Weine in alter Fabrik

Die verschiedenen Anbaugebiete hatten ihre Stände alle beieinander. Wenn man von unserer fünfstündigen Verkostungsrunde ein Bewegungsprofil gemacht hätte, dann wäre das Messi-Gleich gewesen. Wir waren überall im Raum zu finden, immer wieder tauchten wir unvermittelt vor einem Winzer auf, umdribbelten andere Wein-Nasen um schließlich in aussichtsreicher Position unser leeres Glas füllen zu lassen. Winzer- und Weinmässig waren wir in der Spitzenklasse und von jedem der 105 probierten Weine würde ich eine Probeflasche nicht von der Bettkante schubsen.

Erwähnung finden allerdings nur die Weine und Winzer_innen, die mir auch zum Ende der Woche immer noch ein Schnalzen auf der Zunge hervorlocken. Ohne Wertung durch die Reihenfolge oder in der Chronologie der Proben. Meine Verkostungsnotizen waren in dem Katalog vom VDP und da sind wir oftmals von einer dreistelligen zu einer einstelligen Seite gewechselt.

- Fritz Haag von der Mosel: 2014 Juffer Sonnenuhr mit dicker Nase und karamelligen Geschmack.
- Toni Jost – Hahnenhof vom Mittelrhein: 2014 Hahn mit schönen Frucht-Säure-Spiel
- Diel von der Nahe: 2014 Pittermännchen, Goldloch und Burgberg. Sehr spannend. Die drei unterschiedlichen Lagen waren wirklich sehr unterschiedlich und alle drei waren extrem lecker. Pittermännchen exotisch, das Kiesbett Goldloch mit Grapefruit-Noten und Burgberg schmeckte wie ein frischer Pfirsich
- Dönnhoff von Nahe: Was soll man dazu noch sagen. Die Hermannshöhle ist ein Traum, der Versteigerungswein bringt mich selbst nach einer Niederlage des FC St. Pauli zum Singen und Tanzen. Großartiges Weingut, selbst die Gutsweine sind schon ein Genuss für den Alltag und wenn die Grossen Gewächse so charmant ausgeschenkt werden, dann würde man sich gern einen Stuhl holen und einfach dort sitzen bleiben und nicht mehr spucken müssen.
- Wittmann aus Rheinhessen: 2014 Morstein noch zurückhaltend aber alle vier GGs ein frischer Genuß auf der Zunge.
- Christmann aus der Pfalz: 2014 Reiterpfad und Mandelgarten gefielen mir wieder sehr gut. Getoppt noch vom Idig. Ich weiß schon warum ich mir jedes Jahr ein paar Flaschen davon gönne. Würzige Nase, kräutriger Geschmack, ordentliche Mineralität, unter den Top 3 meiner Lieblingsweine.
- Kranz aus der Pfalz: 2014 Kalmit und Kirchberg Riesling. Das erste Mal Weine von diesem Weingut probiert und es blieb mir in Erinnerung. Extreme Länge beim Kalmit und an beiden Probierportionen hätte ich noch lange schnüffeln können. Appetitanregend.
- Philipp Kuhn aus der Pfalz: Der dritte Stand in dieser Reihe und wieder erwähnenswert. Der 2014 Saumagen wie Birne Helene, der Kirschgarten zum Reinlegen
- Pfeffingen – Fuhrmann-Eymal aus der Pfalz: Hier habe ich meinen einzigen 2014 Weißburgunder getrunken und es hat sich gelohnt. Schöner Schmelz. 2014 Herrenberg Riesling mit knackiger Säure und Birnenfrucht-Noten.
- Dr. Wehrheim aus der Pfalz: Da habe ich nur “wow, ganz toll” beim 2014 Kastanienbusch entziffern können.
- Schnaitmann aus Württemberg: Rainer Schnaitmann foppt mich immer mit meinem Bericht hier im Blog über den Besuch auf seinem Weingut. Dabei war der Bericht sehr positiv, nur irgendwo stand dass mir die Weine bei Aldinger besser gefallen haben. Beim 2014 Lämmler drehe ich das um ohne schleimen zu wollen. Aldingers Lämmler ist schon sehr schön aber der von Schnaitmann ist eine Wonne. Sehr spannend, es passiert ganz viel im Mund. Zum Vergleich gab es noch den 2013 Bergmandel (heisst jetzt Lämmler) und das war süß-sauer pur. Dicke Nase und viele Geschmacksnuancen.

Der Besuch hat sich wieder sehr gelohnt und ich bin sehr gespannt auf die Proben in Hamburg, wenn die Weine ein halbes Jahr in der Flasche geruht haben.
Riesling unites – Water divides!

Ich will alles, ich will alles und noch viel mehr!

 

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