Jahresauftaktveranstaltung RFU

, am 21:05


Auf Beschluss des sich selbst eingesetzten Vorstandes, nahmen alle willigen Mitglieder der wichtigsten Weingenießervereinigung der Hansestadt Hamburg, der RFU, an der erstmals angesetzten Jahreshauptversammlung teil.
Zur Stimmungslockerung wurde der Nachmittag mit einer Vorstellung im Hansa-Variete-Theaterr gestartet. Großes Kino, immer gerne wieder! Zwingend für alle Mitglieder ist dort das Konsumieren weinähnlicher Getränke:Zum Start hatten wir einen Krieter Brut NV (non vintage), der war spritzig, dem aber vor allem in den Jahresendwochen an Champagner gewöhnten Grenouille nicht präzise und im Abgang nicht trocken genug!

Gar nicht ging allerdings der Hitz Grauburgunder 2014 aus der Pfalz. Mir streuben sich immer schon zur Warnung die Nackenhaare, wenn ich auf Weinkarten Flüssigkeiten entdecke, deren Herkunft mir nix sagt. Ein mich an klebende gelbe und weiße Gummibärchen erinnernde Flüssigkeit. Schweres Foul und hat
mir den ansonsten durchaus gelungenen Nachmittag ein wenig getrübt.

Nach einem Besuch der pittoresken WCs vom altehrwürdigen Hansa-Theater schlenderten wir durch die kalte Nacht zum Bistro Plat De Jour, um das eigentliche Genießererleben starten zu lassen.

Kurz ne Kritik zum Essen: Es gab für 33€ drei Gänge (für einen Teilnehmer sogar vier!) und für jeden vom Veganer bis Fruktarier gab es etwas Schmackhaftes. Klare Ausgehempfehlung!

Zu den Weinen: Die Karte hat mich auf den ersten Blick ein wenig enttäuscht, aber auf Nachfrage kam dann aber die eigentliche Weinkarte zum Vorschein, die gut gestaltet und dem Grenouille zeigte, daß diese durch einen weinaffinen Maitre befüllt worden war. Ich wurde per Akklamation (oder war es einfach Selbsternennung?) für diesen Abend in die Funktion eines Tagesmundschenks erhoben und waltete ab da meines Amtes!

Wir starteten mit einem Champagner Drappier Brut Rose NV, der sehr dicht, präzise, noch sehr jung daher kommend und den Mund mit einem frischen feinen Erdbeeraroma füllte, hatte auch eine schöne Spannung am Gaumen mit gutem Abgang.

Um ein wenig an Riesling zu erinnern, ließen wir als zweiten Wein einen Draguenneaux& filles Poully- Fume 2014 öffnen. Der hatte eine schöne Mineralik, Säure, Frische, war total trinkanimierend, dabei aber nicht dick, sondern schön elegant mit gutem Abgang. Wir wollten uns langsam steigern und ließen danach einen Henri Bourgeois, Sancerre 2014 “Les Baronnes” bringen. Der war etwas dichter in der Aromatik als sein Vorgänger, ebenfalls unwahrscheinlich trinkanimierend, fast stahlig, Mineralik pur mit sehr guter Länge im Abgang.

Wir hatten nun alle die Vorspeisen hinter uns gebracht und da die Hauptgericht mal nen Weißen, mal eigentlich eher nen Roten forderten, wählten wir einfach zwei Tischweine dazu.

Ich wollte meinen Augen ja erst nicht trauen, hatten die doch tatsächlich noch nen Jayer- Jilles 2005 Bourgogne Haut Cote de Beaune auf der Karte. Als rotes Pendant nahmen wir nen Lignier-Michelot Chambolle- Musigny 2013 “Vielles Vignes”. Der J-J war floral in der Nase, immer noch etwas zurückhaltend, ungemein cremig am Gaumen, noch nen Touch Holz, aber schon gut eingebunden, sehr
gute Länge und immer noch nicht voll ausgereift!
Der L- M punktete mit einer herrlichen Schwarzbeerennase, noch extrem kräftiger junger Säure, einer gewissen Mineralik, gepaart mit Eleganz, sowie mit noch die Zähne beschlagenden Tanninen!

Wir wollten uns ja möglichst steigern und kurz erwog ich in Richtung Bordeaux abzubiegen, es gab durchaus Pretiosen auf der Karte, die unbedingt ihrer Bestimmung zugeführt gehörten, wie 1996er Montrose oder 2000er Haut Bally als Beispiel, aber die Preise sind denn dann doch schon etwas sehr hoch geschossen und daher blieben wir im Bourgogne und an der Rhone.

Domaine Du Colombier Hermitage 2008: kam mit einer herrlichen Würznase daher, natürlich auch noch eher zu jung, Mocca, Nougat, Würze, sehr dicht und komplex mit seidigem Tannin, zöcht noch sehr am Gaumen, aber auch mit einem tollen Abgang!
Als letzten Weißen wählten wir einen Vincent Girardin Puligny-Montrachet 2012, der war noch viel zu jung, mächtig mit viel, aber edlem Holz im Vordergrund, aber die totale Eleganz, mit viel Trinkdruck am Gaumen.

Um den Gaumen noch ein wenig zu äh…….. reinigen, wollten wir noch kurz woanders ein RFU- Referenzbier zu uns nehmen, allein ich entschied mich für nen Glas Riesling. War sofort hellwach, so klar und präzise, nein messerscharf am Gaumen, dachte ich träum und ließ mir die Buddel zeigen. Konnte auch nur von nem TOP- Rieslingweingut kommen: Wir hatten als Abschluß nen Wittmann Riesling trocken 2014 Edition Cafe Paris im Glas! Der Riesling kam zurück zu seinen Jüngern.
Bericht von C. Grenouille

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