Rotes Fleisch und blutiger Wein

, am 12:24

Karneval und die darauf folgende Fastenzeit interessiert uns Genussmenschen nicht die Weintraube! Grenouille und ein Ex-Weinbarbetreiber degustieren und probieren sich seit geraumer Zeit durch die Steakrestaurants der Hansestadt.

Diese Woche ging es, mit ihrem WEB-Auftritt auf dicke Hose machenden Modern American Steak House, kurz M A S H in der großen Elbstraße!

Es geht dabei ja auch um die Frage, ob wir bei rund ums gegrillte Rindfleisch ne neue NR. 1 in Hamburg küren müssen. Das Interieur gefällt mit dem roten Leder, oder eben auch nicht! Mir jedenfalls hat das erstmal gefallen, war in nem Separee auch schön viel Platz! Beeindruckend erst einmal die Weinkarte. Hab mich akribisch darauf vorbereitet, aber wer vor allem sehr viel sehr junges Zeug aus Amiland (wer braucht das?) und mehr als 10 Grand Cru von Armand Rosseau auf der Karte hat, naja. Zu Rousseau: würden die oder ihre Kunden sich mit dem Zeug auskennen, würden die auch nicht so blutjunges Zeug auf die Karte setzen! Der 2010er Grand Cru ist vielleicht in 15 Jahren antrinkbar, aber heute? Einfach nur Verschwendung!

Ich hatte darauf natürlich etwas gefunden und so starteten wir erstmal mit nem 2009er Riesling -S- von Keller aus Rheinhessen. Immer noch blutjung daher kommend, viel mineralische Rieslingspannung, wir waren auch ob des Jahrgangs begeistert. Preislich noch im Rahmen, aber das Wasser, die Flasche für 8 Euro geht gar nicht. Noch weniger geht, dass die Weinflasche nicht an unserem Tisch blieb und dann, als die Gläser lenz waren, mussten wir um mehr betteln. Dickes Minus! Überhaupt hatte ich den Eindruck, die mit nem fetten Amiakzent daher kommende Chefsommeliere wollte uns ein wenig belehren, das mag der gemeine Grenouille ja nu überhaupt nicht!

Als Vorspeise wählten wir deren Haustatar und das Rindercarpaccio. Tatar war super im Geschmack und auch das Auge aß mit! Das Carpaccio vom danish dry age Rind war zart, sehr schmackhaft und zerging auf der Zunge. Leider war es fett mit Parmesan belegt und mit Paste beschmiert, was ich erstmal runter kratzen mußte, Käseplatte bitte erst zum Dessert. Auch hatten die das Pech, daß das Carpaccio der Estancia, neue Wege gehend und daher dicker geschnitten, einfach unschlagbar ist! Preislich waren die Vorspeisen mit 16€ teuer, aber noch angemessen!

Zum Hauptgang wählten wir beide das dänische Dry-age-Weiderind. Der Reisemarschall von Weinbar-Tours in der auf der Karte angegebenen 300gr. Version, Grenouille wollte etwas mehr und nach Befragung der Küche, wurde dem Wunsch entsprochen. Gut gelaunt wählten wir dazu nen 2004er Chateau Rayas Pignan Chateauneuf du Pape. Extrem selten zu bekommen und preislich auch nur für Weinnerds wie uns überhaupt ne Option. Aber, der machte richtig Spaß. Unwahrscheinlich würzig, dabei extrem elegant, ellenlanger Abgang und nicht wie die sonst an der Südrhone vorherrschenden dicken Dinger konzentrierte Würzmarmelade! Der kam dann auch in ner Karaffe daher und durfte am Tisch bleiben!

Zum Steak: Fleisch war super zart aber: wir hatten beide medium bestellt und ob der dicke des Stücks wäre das auch genau richtig gewesen. Meins war aber eher medium rare, ging sogar eher in Richtung der in Buenos Aires so genannte Garstufe “jugoso” -fruchtig- was ausdrücken soll, eher noch blutiger. Hab keinen Alarm deswegen gemacht, da ich IMMER medium bestelle, um dann meist eher ein wenig blutiger zu bekommen. Aber, WER auf dicke Hose macht, kriegt dafür das nächste Minus!

Wir waren noch nicht am Ende mit unserem Weinvergnügen, also wählten wir zum Erfrischen noch einen Riesling: Leitz Berg Rottland AR 2010er. Wir waren uns beide einig: Rheingau ist uns irgendwie zu dick, kein Vergleich zu Nahe, Rheinhessen oder Mosel, ist und bleibt aber Geschmackssache. Und…tata, die Flasche blieb mal wieder verschwunden, samt Sommelier. Weiteres dickes Minus und das wars denn auch für mich. Wer wie wir das Portemonnaie ab und an mal richtig öffnet, der muß deutlich besser behandelt werden! Da half dann auch das gute Dessert nix mehr. Denn entscheidend bei nem ambitionierten Steakhaus ist vor allem der SERVICE, das Fleisch und für Weinnerds die Weinkarte! Das bedeutet, in der Gesamtwertung liegt weiter das Estancia als Referenz vorn, gefolgt vom Rach & Ritchy.

Danke fürs Lesen!

Es schrieb Ihnen Mr. Grenouille.

2 Reaktionen zu “Rotes Fleisch und blutiger Wein”

  1. Kai Jordan

    Moinsen, danke für den Bericht. Ich bin aber nicht ganz der Auffassung, daß die ganzen Amipositionen keiner braucht. Da sind schon leckere Tropfen dabei – aber das “kost teuer Geld”. Ist aber eine Geschmackssache und sicher nicht mit den herrlichen Rieslingen zu vergleichen. Die dicke der Rheingau Tropfen liegt an der Reinzuchthefe die die dortigen Weinbauern beseelt von der Geisenheimer Schule in die Fässer werfen und die diesen Einheitsbrei produziert dem die Komplexität und Tiefe z B der Mosel fehlt. Von Reifepotential ganz zu schweigen. Das Futter im MASH finde ich hervorragend und der Service war bei unseren bisherigen Besuchen mal gut, mal schlechter. Das mit der “weggen” Weinbuddel bzw. Karaffe habe ich durch Kommunikation sofort korrigiert. Haben alle mehr davon. Es gibt jetzt übrigens am Sonntag das Korkgeldfreie “bring your own” was den Besuch auch aus finanzieller Sicht deutlich attraktiver macht. Das Ambiente gefällt mir gut. Gut aussehend, intelligent, sexy und gesund grüsst Euch vom Hafenrand…

  2. Kai Jordan

    PS – den Chateauneuf werde ich dann demnächst probieren müssen…

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