Ein Frosch im Baskenland

, am 19:51

Wandmalerei
Unser Korrespondent Grenouille ist der perfekte Botschafter für deutsche Rieslinge. Jahrzehntelange Erfahrung durch Konsum, stetige Neugierde und packende Begeisterung, die nicht nur uns angesteckt hat. Die Mischung aus Wein, Fußball, sonniges Wetter und netten Menschen gibt es nicht nur auf St. Pauli, sondern auch bei unseren Freunden und Bekannten im Baskenland.

Aber lassen wir ihn selbst berichten was er wieder für verrückte Dinge angestellt hat. Wir wären gern dabei gewesen und hätten Mäuschen gespielt und die Reste aus den Flaschen genuckelt! (Haben seinen Text etwas gekürzt aber seine Groß- und Kleinschreibung sowie Kommata-Setzung nicht korrigiert – da hätte sonst nicht mal der Konsum einer Magnumflasche gereicht bis wir das alles ausgeglichen hätten :-) ):

Herri Viejos
“Ich kam auf die Idee, eine Riesling-Probe in Bilbao zu veranstalten, da ich über das Internet in cellartracker.com, dem größten weltweiten Weinforum mit mittlerweile über 420.000 Usern, mit einigen Bewohnern dieser von mir sehr geliebten Halbinsel in Kontakt und zu Freundschaften und Besuchen kam. Einer dieser Menschen, Helios, holte mich auch am Flughafen in Bilbao-Sondika ab.

Höher geht es nicht

Kurz den Koffer ins Hotel in der Altstadt von Bilbao gebracht und hurtig in die “Vina del ensanche” geeilt, den ersten Teller Joselito, el gran Reserva del jamon iberico, genossen und anschließend noch einige Stunden wie eigentlich immer kreuz und quer durch die Weinbars der Stadt gezogen, ich kann allen Lesenden Bilbao für einen Kurztrip vielleicht mal übers Wochenende nur wärmstens ans Herz legen! Am nächsten Morgen ging es mit dem Auto ins Rioja, erst zu einem mir bis dato unbekannten Weingut, Bodega Sajazarra, die auch einen reinsortigen Graciano präsentierten, der uns sehr gut gefiel. Danach zu La Rioja Alta. Als Weingut nur als bombastisch zu bezeichnen, habe noch nie solche Dimensionen an Flaschenlager oder Barriquekeller gesehen. Aber zu groß ist nicht immer besser, die Stiländerung der Weine, dunkler und auch süßer und alkoholstärker, hat uns eher abgeschreckt! Helios kennt sich im Rioja sehr gut aus und so beschlossen wir den tag in Haro im restaurante “Terete”, berühmt für ihre hausgemachten Lammkeulen, zu beenden! Nur mit einem Wort zu beschreiben: großartig!
old school bodega

Am nächsten Tag gings erstmal zu Vina Tondonia, wo Helios die Eigentümerin kennt, die leider gerade in den USA weilte und uns daher eine ihrer besten Mitarbeiterinnen als Führung eingeteilt hatte. Wir wollten eigentlich auch noch zu Ramirez de Ganuza, allein der Aufenthalt bei Lopez De Heredia dauerte mehr als 4 Stunden, so dass wir danach auch wegem schlechtem Wetter, es schneite an diesem Tag en la Rioja, die Heimfahrt nach Bilbao antraten. Allein das Betreten dürfen des cementerios (Friedhof), so nennen die spanischen Bodegas ihre Altweinlagerstätten – impresionante!
Jahrgänge wie 1928 und 1942 mal zu Hunderten in ihren Fächern liegen zu sehen ist sehr beeindruckend. Als besondere Überraschung hatte la chefa auch zwei Flaschen aus den 60gern zum Verkosten für uns raufholen lassen.
n beten verstaubt

Ich hatte dann noch im stömenden Regen von Bilbao abends gegen 21:05 ein Europapokalspiel. Wir RFUler vom FC St. Pauli pflegen auch Kontakte in die Fanszene vom dortigen Heimclub: Athletic Bilbao. Trotz stömenden Regens sehr hohes Niveau und auch unserer Weltmeister Mustafi auf Seiten Valencias konnte die verdiente Niederlage nicht verhindern!

Zum Wochenende kam ein weiterer Companero de cellartracker aus Madrid zur Probe eingeflogen. Der lud mich als Dank dafür, daß ich ihn zur Rieslingprobe eingeladen hatte, ins restaurante “Arzumendi”, drei Michelin Sterne, vor den Toren der Stadt ein. Kann man mal machen, mich beeindrucken aber eher klassische Häuser wie das “Terete” in Haro!

Abends gegen 22:00, Sie sehen, wir befinden uns wirklich a la peninsula, mußte ich mich nochmals mit den Beiden zum leichten Abendessen treffen. Es gab als korrespondierende Weine Paternina Gran Reserva 1928, Gran Reserva blanco de Paternina 1935, ein paar moderne Weinchen, unter anderem von Emilio Rojo aus Ribeira usw. Gegen 02:30 durfte ich dann ins Bett (allein? oder mit Wein fragt sich der Tippende?)

Samstag kam dann meine Riesling-Probe: Allerdings war ein 4 stündiges Menu DAVOR vorgesehen. Ich konnte das Niemandem vorher ausreden, nein, erstmal wird leicht vier Stunden lang, 6- 10 Gänge Mittag gegessen und dann gg. 18:00 können wir mal deine Rieslinge probieren. Zur Probe kamen außer den beiden cellartracker- Freunden ein Weinhändler aus Saragossa, drei Sommeliers aus Bilbao, ein Angehöriger der DO Txakolina Biscaya, (Txakoli ist der örtliche Wein, der es in der Säure durchaus mit Riesling aus einem stahligen Jahrgang aufnehmen kann.), weitere Weinhändler und Weinsammler, insgesamt 12 Personen.
Traumflight

Ich war doch leicht nervös, da mir klar war auf englisch brauchen wir nicht auszuweichen. Die Aussprache von Spaniern in Englisch verstehe ich noch deutlich schlechter, als castellano. Aber, auch durch die korrespondierenden Weine des Mittagessens beschwingt, flutschte mein Spanisch doch recht gut. Aber das erklären von Weingesetzen und warum diese auch vom VDP immer mal wieder leicht geändert werden, anstrengend! Die Kabinett zur Einstimmung gefielen schon gut, aber die großen Gewächse, andächtiges Schweigen machte sich breit. Wir schenkten jeden Flight zusammen in je 4 Gläser, sodaß alle jeweils die 4 Jahrgänge eines Weingutes gleichzeitig vor sich stehen hatten! Ich erklärte noch ein wenig zu den verschiedenen Zonen, den Böden und Weingütern. ALLE waren auch sehr von den imposanten Etiketten der drei Weingüter überrascht!  Es gab bei den 12 Weinen keinen eindeutigen Favoriten, viele Weine kamen ob meines kalten Kellers noch sehr jung daher und brauchten alle ordentlich Belüftung! Das Meinungsbild tendierte eher in Richtung aller Weine aus 2007 und zu den drei 2010ern, weil stahlig in ihrer Art y muy Riesling!

Nach einer kurzen Pause kamen die frucht- und edelsüßen Weine jeweils einzeln ins Glas und dann sagten die Einheimischen gar nix mehr! Die klassische Variante hatten die meisten der Anwesenden noch nie vorher in dieser Intensität probiert und diese Süß- Säurespiel der beteiligten Weingüter erzeugte nur Bewunderung! Auch als mal einer zwischenfragte, warum ich denn auch Weine OHNE el
aguila (den Adler des VDP) präsentieren würde, die Lorenzhöfer Weine machten ihn dann aber schnell mundtot! Ich bin sehr froh, auch eine 2005er Auslese auf Empfehlung von Frau Weis, Weingut Karlsmühle, dort hingeschickt zu haben. Das war ja super dicht und konzentriert und trotzdem mit einer Eleganz. Riesling von einem hervorragenden Erzeuger eben! Die drei letzten Flaschen, jeweils in der Halben, sorgten dann für komplett andächtige Stille! In Bilbao haben sich weitere Rieslingfreunde dazugesellt.

Hier noch die  Liste der vorgestellten und probierten Weine:

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