Zu Nahe für Nürnberg

, am 14:24

Zum Ende der Spielzeit der 2. Bundesliga ging es für den FC St. Pauli nach Nürnberg ins ehemalige Frankenstadion. Im Mai kann man bei den meisten Weingütern schon viele aktuelle Jahrgänge probieren und wir waren in 2016 noch nicht an der Nahe. Viele gute Gründe für die vinophile Achse der St. Pauli-Fans sich noch einmal auf den Weg zu machen.

Die Box im Bild

Boxen bei Grundig

Wir waren wie immer fleißig! Bei Nummer 42 stoppten die Verkostungsnotizen von Grenouille, ein guter Durchschnitt. Besonders, wenn man bedenkt, dass wir uns auch noch etliche Stunden in diesem Franken aufgehalten haben und es rund um das Stadion nur Beton, Messehallen und kein Wein gibt. Was wir im Grundig-Stadion wollten? Fan hofft ja bis zuletzt auf eine, wie drücken es die Medien und die plappernden Spieler vor den Mikrofonen so schön aus: auf eine R E A K T I O N! Die kam aber nicht. Oder nicht unfair sein wollend, sie kam ein wenig die letzte Viertelstunde.

 

Vier Flaschen für ein Halleluja

Wir starteten nur zu Viert in einem sehr langen ICE die Reise gen Nürnberg mit dem passenden Stadtteil-Namen Dutzendteich. Am Gedenktag zur Befreiung Deutschlands von den Nazis zum einstigen Reichsparteitagsgelände, dass wir allerdings nicht zu sehen bekamen. Die Polizei glänzte wieder durch Trennung, enge Begleitung und Panikmache im Vorfeld! Durch die erst kurz zuvor im April stattgefundene Reise in den Breisgau war nur die Kerntruppe zu motivieren nochmals eine Reise anzutreten, einer fiel dann auch noch wegen Ehrenamt aus und wir nahmen daher einen lieben Gast(trinker) für die Hinfahrt in unsere Reihen auf.

Passend zum Auswärtsspiel südlich von Würzburg gab es noch vor dem Sonntagsgebet einen Riesling-Bocksbeutel “Stein Großes Gewächs 2010″ aus dem Bürgerspital Würzburg. Geiler Anfang! Noch immer jugendlich mit Steinfrucht und frischer mineralischer Säure. Wir kamen mit nem Karthäuserhof Alte Reben Riesling 2010 weiter in Fahrt, um dann pünktlich zur Weißwurscht-Zeit einen Wein zum Niederknien in den Gläsern zu haben: Hermannshöhle Riesling Großes Gewächs 2011 vom Weingut Dönnhoff. Da wurde selbst der Schaffner neidisch! Über einen Wittmann Weißburgunder, einer Umleitung über die Dörfer zwischen Göttingen und Kassel kamen wir mittags in der Frankenmetropole an.

Kurz in der Fußgängerzone zielsicher ne Tourifalle aufgesucht und dann ins abseits gelegene Grundigstadion. Gibt es Grundig eigentlich noch? Mein Video 2000 Recorder von denen ist irgendwann nach über 20 Jahren von mir entsorgt worden, ohne je irgendeine Macke gehabt zu haben. Das Spiel ist schnell erzählt: keine Qualität trifft mangelnden Einsatz und so verschlief Grenouille noch Teile der 1. Halbzeit. Soviel Schlaf hat er sonst nie!

Wir begleiteten unseren Gast noch bis zur Abfahrt des Sonderzuges und machten uns dann auf gen gelobtes Weinland Nahe. Wegen mangelnder Kühlmöglichkeiten gabs bis Mainz zweimal Rot, einen 2008 Lemberger Großes Gewächs (Lämmler) von Gert Aldinger aus Württemberg, der schon sehr weit, bzw. weich war und nen Gruaud Larose Grand Cru 2001 aus dem Bordeaux, der B.Adbankster und Grenouille den Schlaf aus den Augen zauberte.

Großer Württemberger mit Blick auf den Würzburger Stein

Grenouilles Lebenssaft

Gegen fast Mitternacht per Taxi in Windesheim angekommen, hatte der Reise- H. noch ne Wurst/Käseplatte mit korrespondierenden Weinen bei den netten Betreibern der Pension Stempel bestellt, aber mehr als den Riesling der Gebrüder Lauer schafften wir einfach nicht mehr. Der machte allerdings schon Appeitit auf die Weinproben am nächsten Tag.

Bei herrlichstem Sonnenschein ging es früh zum Burgunderspezi Weingut Poss! Sein Probenraum mit den großen, dann geöffneten Glasfronten sorgte neben seinen wirklich herausragenden Burgundern für gelöste Stimmung.

Weinkönigin wurde schnell ins Ausland geschickt

Eine Empfehlung geben wir auf jeden Fall für seine beiden Gutsweine, Grau- wie Weißburgunder, ein highly recommended für die ganze Palette der -S- Weine, fast schon betörend zu nennen! Dann folgten die Lagenweine, Grenouille gefiel davon am besten der Römerberg Weißburgunder, vom roten Sandstein. Sehr schmelzig, dicht, kräftig aber in Samthandschuhen! Und als Höhepunkt dann ein nicht auf der Preisliste zu findender Chardonnay mit dem einprägsamen Namen: EUPHOROS für schlanke 44€, aber jede Eurone wert! Der drückte die Backen nach außen!

Herrliches Wetter und Weine

Großer Preis für großen Wein

Dem Frosch gefiel auch noch der aktuelle Top-Spätburgunder., ein -S- aus 2007, wie gesagt der aktuell im Verkauf befindliche Jahrgang. Da paßte dann auch schon alles, Dichte, Schmelz und sehr langer harmonischer Abgang!

Feurig rot und noble Blässe

Wir hatten Glück! Herr Poss fuhr uns gern rüber zu seinem Kollegen nach Burg Layen womit wir endlich auch einmal zum Weingut Joh. Bapt. Schäfer kamen. Was soll die RFU jetzt sagen, so als Riesling-Junkies!? Wir probierten dort 20 Weine, nur 4 davon waren keine Rieslinge und Riesling-Riese Grenouille spricht für alle, er wiederholte mehrmals A L L E eine Empfehlung aus. DIE Riesling-Entdeckung auf höchstem Niveau! Ob nun der Gutswein, der mit nur 12% sehr süffig und leicht war, über die Ortsweine, die alle klar erkennbare Profile hatten. Der Hammer waren aber die beiden Faßproben der 15er Großen Gewächse!

Schlafmütze Grenouille hat gleich seinen Anteil des wilden, würzig-kräuterigen und mundsprengenden Pittermännchens für September vorbestellt! Das dritte Gut von der Nahe, welches es mit seinen Großen Gewächsen in seinen Keller schafft! Die Nahe. Keine andere Region in Deutschland hat solche spannenden trockenen Rieslinge!

Der junge Chef vom Weingut Schäfer gab uns auch noch einen goldgelben Stoff zu probieren, dessen Frucht so betörend süß war, dass ich gleich auf 05,07 oder 09 als sehr reife Nahejahre tippte! Nachdem uns J. Eymael vom Weingut Pfeffingen in der Pfalz schon mal mit einem 03 überrascht hatte, hätte man es vielleicht ahnen können, aber tolle Überraschung! 2003er Dorsheimer Goldlack Riesling Großes Gewächs. Brillant.

Wir kamen dann zu den restsüßen Sachen, Pittermännchen Kabinett higly recommended! Wild, wild, wild, ein Rieslingurschrei! Und das für 8,50€! Über ebenfalls zwei geniale Spätlesen aus dieser Lage erreichten wir als Finale 2 Beerenausleesen und eine Trockenbeerenauslese! Euphorisch beendeten wir den Kurzbesuch an der Nahe.

Weine werden gleich zum Bahnhof transportiert

In einem bequemen Daimler chauffierte uns Schäfer junior nach Bingen zum Bahnhof und auf der Rückfahrt konnten wir den einen oder anderen Tropfen noch nachprobieren. (Text von Grenouille und Reise-H.)

Unsere Top-5:
Reise-H.:
2013er Sekt Pinot Brut (Weingut Poss)
2007er Blauer Spätburgunder (Weingut Poss)
2014er Weißburgunder -S- (Weingut Poss)
2015er Dorsheim Riesling (Weingut Joh. Baptist Schäfer)
2003er Dorsheim Riesling Großes Gewächs (Weingut Joh.Baptist Schäfer)

B.Adbankster:
2012er Euphorus Chardonnay (Weingut Poss)
2014er Weißburgunder -S- (Weingut Poss)
2012er Grauburgunder -N- (Weingut Poss)
2014er Pittermännchen Riesling Kabinett (Weingut Joh. Baptist Schäfer)
2014er Pittermännchen Riesling Spätlese (Weingut Joh. Baptist Schäfer)

Grenouille:
2012er Euphorus Chardonnay (Weingut Poss)
2014er Weißburgunder -S- (Weingut Poss)
2007er Blauer Spätburgunder (Weingut Poss)
2015er Pittermännchen Riesling Großes Gewächs Faßprobe (Weingut Joh. Baptist Schäfer)
2013er Riesling trocken – Kieselstein – (Weingut Joh. Baptist Schäfer)

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