Franken-Wein und Aufstiegsfeier

, am 08:00

Die berühmte Lage Escherndorfer Lump

Bisher sträflich vernachlässigt von uns, das Anbaugebiet Franken. Mag daran liegen, dass ich eigentlich nicht so der Weißwein-Trinker bin und mein Augenmerk eher auf den Rotwein-Regionen wie Baden und Pfalz liegt. Aber der Anlass war gegeben und nach kurzer Nachfrage bei den uns interessierenden Weingütern ging es los in Richtung Würzburg.

Vom Würzburger Bahnhof Würzburg fuhr uns der Taxifahrer Otto Knarr nach Escherndorf und unterhielt uns die gesamte Fahrt mit launischen Geschichten aus seiner Sportskarriere und seiner Zeit mit Bernd Hollerbach, den er auch mal bei einem Spiel von St. Pauli am Millerntor besuchte.

Infos zum Leben von Otto Knarr:

http://www.mainpost.de/sport/Wuerzburg-Ein-Leben-voller-Hindernisse;art786,5117169

Reisegruppe Silvaner bei Horst Sauer

Sehr pittoresk ging es durch die Weinberge Frankens, an den berühmten Lagen Escherndorfer Lump und Fürstenberg vorbei auf die „Bocksbeutelstraße“ und zum mitten im Wein-Dorf gelegenen VDP-Weingut Horst Sauer.

http://www.weingut-horst-sauer.de/

Wir hatten schon viel gehört vom Silvaner und den Riesling Spätlesen und machten uns sofort an den einfachen Liter-Silvaner. Bei strahlendem Sonnenschein im Hof des neu renovierten Degustationsbereiches war das schon mal ein fetter Start. Schön fruchtig, leichte sommerliche Frische und durch die lebendige Säule ging auch die Müdigkeit aus den Gliedern. Auf der Suche nach dem durchgegorenen Schatz probierten wir die Kabinett- und Spätlesen der Silvaner- und Riesling-Traube, die Jahrgänge 2008 und 2009 von den beiden Premium-Lagen Lump und Fürstenberg. Der Blaue Silvaner Spätlese von 2008 war herausragend und für uns der erste Kontakt zu dieser immer seltener werdenden Traube. Zum Abschluss durften die Großen Gewächse nicht fehlen. Das Grosse Gewächs ist eine Klassifikation der VDP (Vereinigung der Prädikatsweingüter), aus den besten Weinbergen Deutschlands, die hochwertigen Terroirs werden dafür parzellengenau abgegrenzt und bestimmten Rebsorten zugeordnet. Handlese und die Selektion des Mostgewichts ist da selbstverständlich. Der 2008 Eschendorfer Lump war wie erwartet ein Gaumenvergnügen und beseelt ging es von Escherndorf nach Iphofen.

Das Hotel am Marktplatz von Iphofen

Nach kurzer Rast an unserem Hotel, der Goldenen Krone am Marktplatz vom schnuckeligen Dorfkerns Iphofen ging es zum zweiten Weingut des Tages, zu Ernst Popp.

www.weingut-popp.de

Das Weingut stand im kompletten Gegensatz zu Horst Sauer, was das Weingut und der Probierraum angeht. Gelsenkirchener Barock, alles im Stil der 50er und 60er eingerichtet. Doch die herzensgute Frau Popp machte in ihrer fränkischen Art einen tollen Eindruck und leitete uns durch die Riesling und Silvaner der Paradelagen Iphöfer Kalb und Iphöfer Julius-Echter-Berg. Unsere Geschmacksensorik war von Horst Sauer noch etwas belegt und eine Konzentration auf die Tropfen war schwierig. Zwei Weingüter an einem Tag, wenn man vergisst regelmässig auszuspucken, ist eins zuviel.

Die Spät- und Auslesen hatten eine tolle Frische und gefielen sehr gut. Die Rotweine Schwarzriesling, Spätburgunder und eine Cuvée aus Dornfelder, Domina und Portugieser haben uns nicht so gut gefallen.

Im Hotel und Gasthaus warteten der Abschluß des Abends mit Wildspezialitäten, Spargel, fränkischen Bierspezialitäten und einen 10-Jahre alten Hefebrand.

Am Sonntag morgen weckte eine Blaskapelle die weinseligen Glieder und aus dem Fenster sahen wir das heutige Objekt unserer Weinverkostungs-Begierde, Johann Ruck. Das Weingut Johann Ruck www.ruckwein.de liegt direkt am Marktplatz von Iphofen und gehört neben der VDP auch der TRIAS (Terroir, Passion, Genuss) an, die noch einmal schärfere Regeln hat was den Boden der Weinberge und ihrer Bestellung angeht.

Ganz links das Weingut Ruck

Durch die gesamte Familie Ruck zieht sich der Vorname Johann und der jetzige Senior führte uns durch sein Programm und die Geschichte des Weinguts. Der Start war etwas schwierig und schleppend, da um 10.30 am Sonntag das Weinglas noch nicht so locker zum Mund geführt wird wie am Vortag. Doch die Frucht und kräftige Mineralik der Gutsweine fütterte uns an und mit Akribie und großer Motivation probierten wir uns durch die Lagenweine und liessen auch die Großen Gewächse nicht unbeachtet. Ein wirklich tolles Weingut mit sehr guten und spannenden Weinen. Auch im Weingut Johann Ruck sind die Lagen Iphöfer Kalb und Iphöfer Julius-Echter-Berg die Premium-Lagen und die Geschichten über die Neu-Aufteilung der Lagen in den 60ern waren amüsant und unterhaltsam.

Bevor es weiter Richtung Aufstieg vom FC St. Pauli in Fürth ging, gab es ein paar warme Worte des Clubberer-Fans und einen Silvaner Eiswein von der Rödelseer Schwanleite von 2002 auf den Weg. In diesem Moment war klar, dass wir in Fürth gewinnen da es ansonsten an diesem Tag keine Steigerung mehr geben würde. Die normalen Reisenden im Regionalexpress von Iphofen wunderten sich über uns und den Genuss mit dem wir die schnell gekauften Großen Gewächse von 2008 leerten und wir konnten am späten Abend nur den Hut heben vor der Weinregion Franken und dem Aufstieg des FC St. Pauli in die erste Liga.

Aufstiegsfeier nach dem Auswärtssieg vom FC in Fürth

Meine Top-4 des Wochenendes:

1. Das erste Bier nach dem Aufstieg des FC St. Pauli im Zug zurück nach Hamburg

2. 2008 Silvaner Spätlese trocken, Großes Gewächs, TRIAS, Johann Ruck

3. 2008 Escherndorfer Fürstenberg, Blauer Silvaner trocken, Horst Sauer

4. 2009 Escherndorfer Lump, Silvaner Großes Gewächs, Horst Sauer

Eine Reaktion zu “Franken-Wein und Aufstiegsfeier”

  1. Detlev Gregorius

    Das Eingangsportal der Familie Sauer erinnert mich ein bisserl an meinen letzten Hamburgbesuch: Gerhardstr. Ecke Herbertstr.

    Mfg
    Detlev

Einen Kommentar schreiben