Ein Abend in Bordelais!

, am 08:00

Ein Abend in Bordelais!  27.12.10

Große Aufgaben warteten auf uns

Kurz nach den kulinarisch prall gefüllten Weihnachtstagen lud C. Grenouille wieder einmal zum Weingenuss mit Schwerpunkt auf Bordeaux. 12 Schleckermäuler ließen sich diese Einladung nicht entgehen und meine Weinzunge wurde durchweg mit guten bis sehr guten Froschpipi-Erzeugnissen belegt. Keiner fiel ab, im Endeffekt hätten alle einzeln einen Bordeaux-Genuss gebracht. Durch die Vielfalt gab es natürlich die Abstufungen von „lecker“ bis „grandios“.

1. 1985 Grünhäuser Abtsberg, C. von Schubertsche Schlosskellerei Grünhaus, Riesling Kabinett, Ruwer.

Zur Auflockerung der Runde und der Geschmackssinne holte C eine schlanke Magnum-Flasche von der Ruwer aus dem Keller. Der Riesling Kabinett hatte erstaunlich viel Säure, war ungemein saftig für die 25 Jahre und schmeckte eher wie ein leckerer Traubensaft.

Der erste Flight beschäftigte sich größtenteils mit Chateaus von der rechten Seite der Gironde. Dort haben die Cuvees meistens einen hohen Anteil an Merlot.  Alle Bordeaux-Weine waren von 1998.

Trophäensammlung Part 1

2. 1998 Chateau Roudier, Montagne Saint Emilion

Beerig, noch etwas sperrig, sehr tanninig. Kein echter St. Emilion, ist ne kleine Nebenlage. 50% Merlot, im Abgang kirschig. Noch entwicklungsfähig.

3. 1998 Chateau La Dauphine, Fronsac

Intensive Nase, etwas pflaumiger. Ein Frauenwein. Richtig dicke Frucht, geschmeidig, bisschen marmeladig und rund. Trinkreife ist jetzt erreicht.

4. 1998 Chateau Moulin Haut-Laroque, Fronsac

In der Nase sehr intensiv, fast stechend. Pflaume pur. Sehr, sehr lecker. Umschmeichelt den Gaumen, schöner langer Abgang. Mjammjam!! Bisher die Nr. 1 für mich.

5. 1998 Chateau Tour Haute-Caussan, Medoc

Auf dem Etikett ne Windmühle, die man eher beim Wein vorher vermutet hätte. In der Nase extrem korkig, bitter auf der Zunge. Schmeckt etwas „einfach“ gegenüber den vorherigen, nicht so spannend.

Jetzt gab es zur Erfrischung wieder einen deutschen Wein mit Restsüße. Die liefen natürlich außer der Reihe, aber haben die Anwesenden zum Schweigen, Schwelgen und Schmusen gebracht. Der Wein zum ersten Date, wenn man danach in die Kiste will! Der macht rollig:

6. 2003 Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Spätlese, Dönnhof, Nahe

Interessante Säure, sehr schmackhaft, Gaumenschmeichler. Extraktreich, eher wie ne Auslese.

Es folgte der zweite Flight, wir bewegten uns auf die linke Seite der Gironde, manche schwammen rüber, andere bauten sich aus dem anwesenden Weich- und Hartkäsen eine Brücke.

7. 1998 Chateau Charmail, Haut-Medoc

50%-iger Merlot, eher untypisch für das Haut-Medoc. In der Nase riecht der Wein wie Carla Bruni unterm Arm. Im Geschmack noch etwas ruppig, hat nen langen Nachhall.

8. 1998 Chateau Chasse-Spleen, Moulis

Nun hatten wir unseren Spleen. Sehr kräftig im Geruch, im Geschmack hingegen weich und kirschig-rund. Die Nase spannender als der Geschmack, hinterlässt nen Murmeltier-Fell auf der Zunge, Tannin noch sehr spürbar.

Gruppenbild mit Bourgogne

9. 1998 Chateau Lynch-Moussas, Pauillac

Relativ hell in der Farbe, vom Geruch her Blaubeertörtchen mit Bleistift. Riecht stark nach Graphit, geschmacklich nicht so toll wie manche der Vorweine.

10. 1998 Chateau Haut-Bages Liberal, Pauillac

Nach 10 Weinen beginnen die Wortwitze und dummen Sprüche. Das Niveau am Tisch sinkt und das Niveau der Weine steigt diametral an. Der zweite Pauillac ist tiefdunkel in der Farbe, geschmacklich absolut Top. Hat sich an die Spitze katapultiert, leckere Würze. Riecht wie die Sauce zum Rücken vom Bambi, ein bisschen kräuterig. Sehr langer Abgang.

Bevor uns C. Grenouille durch die letzten Schloss-Weingüter in Südwest-Frankreich geleitet, rockt er noch mal mit einem Weißwein von der Nahe.

11. 2004 Oberhäuser Brücke Riesling Spätlese, Dönnhoff, Nahe

Die drei Rieslinge, nicht von der Tankstelle

Das ist mal eine Erfrischung. Beim dem nächsten Marathon wünsche ich mir davon eine Magnum bei Kilometer 32. Eine der kleinsten Lagen Deutschland mit 1 Hektar, eine Monopol-Lage von Dönnhoff. Schöne Säure, typische Riesling-Note noch schmeckbar mit begleitender Restsüße. Schmeckt nach einem Cocktail mit Ananas-Maracuja-Saft.

Nach 11 Weinen wurden wir mit einer Blindprobe konfrontiert. 4 Stunden dekantiert, ein Rotwein. Sehr aristokratisch im Duft, wirkte für mich eher wie ein Spanier aus dem Priorat. Tiefe Frucht, bisschen fuselig im Abgang bzw matt. War etwas zu lange offen.

Es war:

12. 1998 Echezeaux Grand Cru, Domaine A.F. Gros, Pommard, Cote d´Or, Bourgogne.

Zurück ins Bordeaux, zum dritten und letzten Flight.

13. 1998 Chateau Poujeaux, Moulis

Rote Beeren im Duft, ein Hauch von Sauerkirsche. Im Mund langer Nachhall, intensive Würze, grossartig. Fetter Geschmack, dringt in die TOP 3 vor. Der Wein zu „La Boum“ und Sophie Marceau!

14. 1998 Chateau Pontet-Canet, Pauillac

Das Weingut ist eines der Überflieger der letzten Jahrzehnte. Seit 1995 preislich am Durchdrehen und von Asiaten leergekauft. Ausgewogene Nase, angenehme Bitterstoffe, sattes Fell auf der Zunge und typische Cabernet-Noten. Noch ziemlich verschlossen, hat es trotzdem auf die ersten 3 Plätze geschafft in meinem internen Ranking.

Einen kleinen Bonus gab´s auch noch

15. 1998 Chateau Branaire, St. Julien

Das Glas mit Sauerkirschen ist geöffnet. Breit im Geschmack, sehr sehr fruchtig. Mir ein bisschen zu fruchtig und gieße mir lieber noch einen kleinen Schluck vom Pontet-Canet ein, ohne dass die anderen das merken.

16. 1998 Chateau Sociando-Mallet, Haut-Medoc

In welchem Teil von „La Boum“ ist die Knutsch-Szene im Schrank? In welchem Bond hat Sophie Marceau ne Bett- und Nacktszene? Ich schweife ab und schwelge immer noch im Pontet. Der Sociando leidet etwas darunter. Hat einen animalischen Geruch, ist noch sehr tanninig, pelzig im Duft aber auf der Zunge eher mild. Wenig dran zu kauen. Wann gibt es das Steinpilzrisotto? Das würde perfekt passen.

Herrlicher Abend, mein Bordeaux-Horizont wurde mal wieder erweitert und es macht immer wieder Spaß, mit vielen Leuten Weine zu entdecken und den Beschreibungen zu lauschen.

Auf der Rückfahrt gab es dann vom Büdchen das Referenzbier. Bier auf Wein, das muss sein!

Das Bordeaux-Massaker ist vorbei

4 Reaktionen zu “Ein Abend in Bordelais!”

  1. Tjark

    Das war ein wirklich grandioser Abend……………und dann noch der Bonus?

  2. Thomas

    Nette Gastgeber, entspannte Runde und durchweg extrem leckere und spannende Weine: das hat großen Spaß gemacht!
    Die Zusammenfassung jetzt nochmal zu lesen auch…!

    Meine Favoriten des Abends waren Pontet-Canet, Sociando-Mallet, Chasse-Spleen, alle Rieslinge und als Degustationsnotiz natürlich “wie Carla Bruni unterm Arm”…97 Punkte!

  3. Tom

    Wie immer sehr nette Runde. Dem Gastgeber C. Grenouille und seiner Madame gebührt ausufernder Dank ! Und wie das so ist mit Frauen, oft verliebt man(n) sich in sie ohne viel von Ihnen zu wissen. In meinem Fall im übrigen nicht in die ganze Frau, nein… anscheinend nur in den Geschmack unter Ihrem Arm. Oder anders formuliert: Der Charmail war mein Favourit. Und natürlich die Rieslinge! Hach, ich liebe meine weibliche Seite! Und diesen Blog….

  4. C.Grenouille

    Hach….. wenn ich die Beschreibung des Abends und die Kommentare hier nochmal so lese… auch bei der Auswahl der Gäste wieder mal ALLES richtig gemacht!

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