Gewürztraminer und Casse-Croute

, am 11:08

Auf den Spuren der Route du vin

Auf uns frankophile Weinliebhaber wartete das Elsaß für ein paar Tage mit vielen kulturellen, landschaftlichen und gastronomischen Eindrücken. Mit dem Flieger ging es nach Basel und von dort mit dem Mietwagen zum Mittagessen in den ersten Weinort Bergheim. Um die Mittagszeit wie ausgestorben mit einem schönen „Stadttor“ und der kleinen Brasserie „Winstub du Sommelier“. Wir ließen es uns mit dem ersten Pinot Gris, Casse-Croute und Munster-Käse gut gehen und planten die nächsten Stopps. Unser erstes Weingut sollte das im Dorf Andlau versteckte Marc Kreydenweiss sein. Hier wird seit 1999 biodynamisch angebaut und Marc Kreydenweiss legt sehr viel Wert auf sein Terroir. Wir kamen fast gleichzeitig mit den beiden Testern vom Parker-Weinführer an und konnten uns in Ruhe einen ersten Überblick über die Qualität und Vielfalt der elsässischen Weine machen.

Winstub in Bergheim

Die Weine waren teilweise absolute Granaten, sehr mineralisch und würzig, hatten aber auch ihren dazu passenden Preis. Besonders die Grand Cru Gewürztraminer lud zum Schwelgen ein während am Nebentisch die beiden Tester vom Parker ausspuckten, in ihre Diktiergeräte sprachen und neidvoll auf unsere entspannte und genussvolle Atmosphäre schauten. Nach einem Kaffee und Süßgebäck zum Ausnüchtern im Dorf ging es weiter Richtung Scherwiler zum Hotel Auberge Ramstein in der wir unser Zimmer für die nächsten beiden Nächte beziehen sollten. Ein kleines, schnuckeliges Hotel mit toller Küche und Blick auf die Weinberge. Noch am Nachmittag ging es weiter zum nächsten Weingut und zum Besuch der Stadt Straßburg. Straßburg ist eine wunderschöne Stadt mit einer faszinierenden Altstadt.

Pasteten Power

Die Delikatessenläden fesselten unsere hungrigen Blicke und nach dem Besuch der EU-Stätten und eines „Fischer“-Biers ging es ins nahegelegene Marlenheim zu Vins Mosbach (www.vinsmosbach.com). Die Auswahl des Weinguts von 1577 mit 23 Hektar war mal wieder gigantisch. Viele verschiedene Weine und Jahrgänge konnte man probieren und der Fahrer ärgerte sich maßlos. Mit einem Cremant starteten wir den Probier-Marathon und gingen über diverse Riesling, Gewürztraminer und Pinot Noirs zu den Grand Crus. Hier kauften wir das erste Mal auch ein paar Flaschen, denn die Grand Crus von 1996 des Gewürztraminers waren sehr lecker und auch noch günstig. Nach einem Abendessen im Hotel ging es noch zum Absacker nach Scherwiler, doch die meisten Bars waren eher leer und wir nach soviel Probieren auch groggy.

Am nächsten Tag ging es nach Wettolsheim. Das biodynamische Weingut Barmés-Buecher (www.barmes-buecher.com) wurde uns vielmals empfohlen und Frau Barmes hat uns glänzend betreut und von ihrem Weingut, der Biodynamie und dem Dorf erzählt. Wir starteten wieder mit einem Cremant, leider war ich heute der Fahrer. Die Grand Cru-Weine Riesling Hengst 2003, Riesling Steingrübler 2004, Gewurztraminer Pfersigberg 2001 und Gewurztraminer Steingrübler 2004 waren echte Erlebnisse und wir kamen aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Jede Grand-Cru-Lage schmeckte anders und die satten Fruchtaromen machten uns fast sprachlos. Zum Abschluß kam der Pinot Noir Vieille Vigne 2002 und das war der erste Rotwein aus dem Elsaß, der mich Pinot-Noir-Liebhaber komplett von den Füßen riss. Was für ein geiler Tropfen!!

Weine bei Barmes-Buecher

ieder ging einiges Geld aus der Urlaubskasse drauf und wir nutzten die Mittagspause für ein Essen im „Schweinerestaurant“, dessen Namen mir leider entfallen ist. Ein gutbürgerliches Restaurant der Elsässer, von außen wenig einladend, ohne Touri-Falle und mit herzlich guten Menschen. Hier gab es alles vom Schwein und damit meine ich auch wirklich alles. Dazu eine Dekoration aus Schweinefiguren, Büchern über Schweinen und Bildern von Schweinen. Hier fühlten wir uns gleich wohl und aßen sehr lecker und deftig. Nach einem kurzen, vernebelten Besuch der Haut-Koenigsburg ging es zur zweiten Weinprobe des Tages, zu Seppi Landmann (www.seppi-landmann.fr). Auch hier sind wir auf Empfehlung von Wein & Boules in Hamburg gelandet und wurden nicht enttäuscht. 34 Weine durften wir probieren und hatten uns glücklicherweise einen Fahrer geleistet. Von einfachen, verspielten Cuvées namens Erotique spazierten wir durch das Valle de Noble bis zur Grand-Cru-Lage Zinnköpfle. Nach dem 20. Wein kam Seppi auf die Idee uns eine Einkaufsliste mit seinen Weinen hinzulegen, die wir fleissig ankreuzten und unter den Augen von Sophie Marceau, deren Bild an der Wand hing und regelmäßig bei der Lese hilft, kreuzten wir fleissig die Weine an. Der 1989 Grand Cru Gewürztraminer benetzte leicht unsere Zungen und Gaumen und wir waren hingerissen.

Ein paar von den 32 probierten Weinen bei Seppi Landmann

zwei Objekte der Begierde

Von dem positiven Freak Seppi, der bei dem Rest der Weinbauern als sehr exzentrisch gilt und seinen Weinen, ging es direkt nach Colmar, um auch den Fußball nicht zu kurz kommen zu lassen. Nach einem Spaziergang durch die Stadt ging es zum Stadion und zum Spiel von SRC Colmar und Racing Straßburg II. Vor 500 Zuschauern und 10 Gästefans war es eher langweilig und auch das Nachtleben von Colmar rockte nicht so richtig. Irgendwie landeten wir wieder in unserem Hotel in Wettolsheim. In der Hotelbar fühlten wir uns etwas fehl am Platz und der Kellner liess uns das auch wissen. Also schauten wir ins Dorf und ob unsere Schweine-Brasserie noch geöffnet hatte. Wir quiekten vor Glück als noch Licht aus den Fenstern auf den Gehsteig schien und wurden nicht enttäuscht. Ein kleines Fest der Nachbarschaft war im Gang und wir mittendrin.

Belegschaft der Schweine-Brasserie

Nach ein paar Bierchen torkelte ein Mann an den Tisch, um uns aus einer unetikettierten Flasche etwas Wein zu geben mit der Anmerkung „Hier, probiert mal meinen neuen Wein“. Wir waren erst etwas vorsichtig aber wurden zum Probieren gedrängt und es war sehr lecker. Er stellte sich als Winzer vor und lud uns zum nächsten Tag zum Besuch ein. Wir gingen dann brav ins Bett, der Winzer eher nicht und wir mussten ihn morgens wecken. So ging es ins Weingut von Stentz-Bücher in Wettolsheim (www.stentz-buecher.com). Das war ein absoluter Glücksgriff. Ein biologisches Weingut mit vielen Grand-Cru-Lagen und sehr schönen, filigranen Riesling-Weinen. Einige Flaschen wurden für uns aufgerissen und einige Flaschen machten sich auf den Weg nach Hamburg, wenn auch nicht alles an uns verkauft wurde mit der Begründung „ihr Deutschen reisst alle Weine sofort auf, die hier müssen noch etwas liegen, die verkaufe ich euch noch nicht!“.

Leckere Weine eines sympathischen Winzers

Heute war ansonsten größtenteils kulturelles Sightseeing angesagt. Vom kleinen Ort Eguisheim ging es nach Soultzmatt, Ribeauville und Riquewir. In Ribeauville nahmen wir uns auch ein Hotel und besuchten noch das etwas größere Weingut Trimbach. Nach dem Flammkuchen und Diskussionen auf elsässisch am Nebentisch über Fußball war auch für uns Abschied nehmen angesagt und über die Landstraßen ging es am Kaiserstuhl vorbei nach Freiburg. Nach einer vermeidbaren Niederlage des FC St. Pauli beim SC Freiburg ging es am nächsten Tag Richtung Flughafen und Hamburg. Auf dem Weg hielten wir noch am Batzenberg, um den Weingut Heinemann im Markgräfler Land die Aufwartung zu machen. Wir wurden mal wieder nicht enttäuscht und großartige badische Spätburgunder aus alten Reben komplettierten eine wundervolle Reise.

Weingut Heinemann bei Freiburg

Meine Top-3-Weine dieser Woche:

1. Platz: 1989 Zinnköpfle, Gewürztraminer Vendages Tardives, Seppi Landmann

2. Platz: 2005 Old Oak, Pinot Noir, Stentz-Bücher

3. Platz: 2007 Pinot Gris, Vendages Tardives, Seppi Landmann

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