Beleidigte Winzer und warmer Wein

, am 13:51

Die Internorga, Norddeutschlands größte Gastronomie-Messe. Nicht unbedingt der Platz auf der man zum Probieren von großen Weinen gehen sollte aber nach den Medienberichten über das Weingut Othgraven von Günter Jauch und der Zusendung von zwei Freikarten liessen sich meine Wenigkeit und Stammgast W. Olf nicht zweimal bitten. Im Endeffekt war es der Besuch eines Treffens von Auszubildenden im Gastgewerbe, schnorrenden Schnauzbärten mit Volksfestcharackter und überfüllten Gängen.

Schloßgut Schmitt – unfreundlich und herablassend

In den acht Hallen sind zum Größtenteils alle Convienence-Hersteller Europas versammelt von Knorr über Unilever bis zu Langnese und die großen Getränke- und Gastronomievertriebe Hamburgs und Norddeutschland. Wir begannen unsere Runde beim Service-Bund, die uns netterweise eingeladen hatten. Es gab einen kleinen Überblick über deren Wein-Angebot und wir begannen mit einem 2009 Riesling trocken Sauvage von Georg Breuer aus dem Rheingau. Zur Zeit stehe ich eher auf die mineralischen Rieslinge, der war mir zu mild und wenig fruchtig. Der Weißwein von Bodegas Alconde aus dem Navarra (Macabea-Traube) war untrinkbar und wurde durch die angebotenen Oliven wieder neutralisiert. Die Rotweine vom Tinto Joven über Crianza bis Merlot Reserva waren alle durchgehend schmackhaft aber hatten nichts an dem man sich abarbeiten konnte oder in Gedanken behalten würde. Sehr schön gefiel mir der Malbec von den Andeluna Cellars aus Argentinien (Mendoza, Tupungato). Dier Merlot aus dem Cellier de Marrenon und der Tawny Port von Churchill´s Portwein-Gut waren allerdings dann wieder ein Dämpfer. Gleich am ersten Stand merkten wir auch, dass die Stände nicht aufs “Ausgießen” oder “Ausspucken” vorbereitet waren und eher wie n Flammkuchenofen schauten, wenn man danach fragte. Apropos Flammkuchen (cooler Übergang), der war beim Service-Bund sehr lecker und ist ne Überlegung für unsere Weinbar.

Hinten schaut der Winzer, vorn ein aufmerksamer Gast

Nach einer kurzen Pause bei der Winzergenossenschaft Meißen aus Sachsen (guter Goldriesling, interessanter Traminer Spätlese und langweilige Rotwein-Cuvée aus dem Barrique) ging es zum “Qualitätsweingut Schloßgut Schmitt” aus Guntersblum in Rheinhessen. Hier war man etwas überfordert mit zwei vinophilen Menschen, die Fragen stellen, gern viel probieren aber auch Tropfen bei missgefallen weggießen möchten. Der Winzermeister schaute uns schräg an, sprach “Sie wollen ausschütten, wollen Sie mich beleidigen?”, wurde von Wein zu Wein einsilbiger und nach ein, zwei Fotos auch noch ungehalten über unsere Tätigkeiten am Stand. 58 Weine auf der Angebotsliste überforderten uns, den Rest der Dienstleistung und unsere Wünsche überforderten ihn. Deshalb auch keine Wertung der drei immerhin probierten Weine, denn es gibt genug nette Winzer bei denen man kaufen kann und sollte und wir lassen die restlichen Weine und Winzer bei Ihren natürlichen Lebensräumen und Kundenkreisen.

Nach dieser unerquicklichen Erfahrung eines Messe-Standes fanden wir das Gesicht von Günter Jauch und seine Weine. Leider war das am Metro-Stand, alle Tische waren belegt und so konnten wir uns kein Bild von den Angeboten machen. Bei den Alde Gott Winzern (eG) wurden wir von der Qualität und der Freundlichkeit wieder versöhnt. Die badische Genossenschaft goss uns einen (etwas zu warmen) Pinot Noir Rosé und zwei schöne Spätburgunder von 2009 ein. Gute Kirschfrucht, leichte Tannine. Leider keine Preise auf der Liste aber die beiden Spätburgunder waren empfehlenswert.

Weine beim Alde Gott

Auf dem Rückweg zum Ausgang trafen wir noch die Besitzerin und Besitzer von Vineyard Weinhandel in Eimsbüttel an ihrem Stand und wurden (wie so oft) umfassend und freundlich beraten. Zwei Winzer aus Spanien waren gerade zu Gast (Marco Aguado und David Sampedro). Ihre Rioja-Weine sind modern ausgerichtet mit wenig Holznoten und ohne die typische Klassifizierung in Joven, Crianza und Reserva. Waren auf jeden Fall lecker und sollte man noch mal gegen unseren Crianza gegen probieren. Name habe ich leider nicht notiert aber fragt einfach bei Vineyard Weinhandel danach.

Danach beendeten wir unseren Bummel und genossen ein gutes Glas Wein in der Nachmittagssonne Hamburgs. Und wo kann man das am Besten? In der Weinbar am Neuen Kamp 19. Der Riesling Dürkheimer Hochbenn von Thomas Hensel ist der Hammer.

Einen Kommentar schreiben