Gut und Edel

, am 08:36

Weingut Dörflinger in Müllheim

Ein privates Kunstprojekt führte mich neuerlich ins Markgräflerland, nach Müllheim, dem selbst ernannten Herz der Markgrafen. Das Markgräflerland ist der südlichste Teil des Anbaugebietes Baden und hat aufgrund der Nähe zum Elsass und der Schweiz auch ein paar Rebsorten zu bieten, die es in anderen Gegenden nicht in der Menge (Gewürztraminer) oder gar nicht gibt (Gutedel). Meine Neugierde führte mich zum Weingut Dörflinger.

Schaukasten an der Einfahrt

Das Weingut Dörflinger ist vom Wein-Führer Eichelmann 2011 am höchsten bewertet in Müllheim und Umgebung. Meine Erwartungen waren dementsprechend trotz der frühen Uhrzeit ziemlich hoch. Ein gutgelaunter Winzer „erwartete“ mich in der Lagerhalle und führte mich knapp ne Stunde lang durch seine Weine. Dazu gab es sogar noch frisches Brot und spontan aufgeschnittenen Schwarzwälder Schinken. Auf 20 Hektar in Müllheim und Badenweiler baut die Familie diverse Rebsorten an, nicht alles konnte ich probieren, da einige Weine schon ausverkauft waren und andere noch nicht abgefüllt. Ich ließ mir ab 10 Uhr morgens schmecken:

3 weiße Markgrafen

2009 Müllheimer Reggenhag Gutedel (5,20 Euro)

Milder und fruchtiger Weißwein, gut zum Wegtrinken. Man hat nicht viel zu kauen.

2009 Badenweiler Römerberg Gutedel (5,50 Euro)

Der hat mich überrascht. Gutedel war bisher immer ein eher „belangloser“ Wein, den man gut wegtrinken kann ohne groß nachdenken zu müssen. Dieser hatte aber eine mineralische Note, etwas kräutrig. Wächst auf Tertiärboden. Gefiel mir sehr gut, ist was für die Sommerkarte.

2009 Müllheimer Reggenhag Weisser Burgunder Kabinett (7 Euro)

Baden gilt als Burgunderparadies. Der Weißburgunder ist ziemlich fruchtig, nicht so dezent wie andere Weißburgunder, die regelmäßig bei mir durchfallen. Hat Nachhall.

2009 Müllheimer Reggenhag, Weisser Burgunder Spätlese (10 Euro)

Die Spätlese hat 3% Restzucker, sehr dezent. Leichte Holznote durch den Ausbau im großen Holzfass. Dazu könnte ich mir gut ein gegrilltes Kalbssteak vorstellen aber der Schwarzwälder Schinken macht seine Sache auch ganz gut.

2009 Müllheimer Sonnhalde Grauer Burgunder Kabinett (7 Euro)

Grauburgunder… Nicht so mein Ding gerade. Irgendwie finde ich die Traube im letzten halben Jahr immer langweilig.

2009 Müllheimer Sonnhalde Grauer Burgunder Auslese (12 Euro)

Oha, ich muss mich umgehend revidieren. Leckerer Graubi. Schöne Tiefe, kräftig, würzig, hat das große Holzfass von innen gesehen, nur 5% Restzucker und 15% Alkohol. Wer holt das Kaninchen und schmort es im Topf? Leider ausverkauft (der Wein, nicht das Kaninchen!).

2009 Müllheimer Sonnhalde Grauer Burgunder Spätlese (14 Euro)

Hab eigentlich gerade gefrühstückt und muss die Essensgedanken von mir kriegen. Herr Dörflinger erzählt interessante Geschichten über das Eichenholz für die Barrique-Fässer, die größtenteils aus Deutschland kommen und nicht aus Frankreich oder Amerika. Was stört es die deutsche Eiche, wenn sich die Spätlese darin labt? Diese Spätlese hat sich ein Jahr im Barrique gelabt. Hat nicht ganz soviel Tiefe wie die Auslese, nur 0,9% Restzucker. Ganz ok aber bleibt nen Grauer Burgunder.

2009 Müllheimer Reggenhag Chardonnay Kabinett (8,80 Euro)

Nothing but Chardonnay! Für mich muss es Chardonnay nicht unbedingt geben. Dieser ist nicht im Barriquefass ausgebaut und dementsprechend nicht so überladen, trotzdem mir zu cremig.

Roter Wein und roher Schinken

2009 Müllheimer Reggenhag Spätburgunder Kabinett (8,50 Euro)

Duftet nach Frischgeputzt. Meine Nase beeinträchtigt scheinbar auch meinen Gaumen, denn der Kabinett schmeckt auch nach Seife. Und das bei meiner Lieblingstraube!

2009 Müllheimer Reggenhag Spätburgunder Spätlese (12 Euro)

Ja, da ist er wieder. Meine Rebsorte! Die Spätlese ist im großen Holzfass ausgebaut, hat ne schöne Würze, langen Nachhall und gut eingebundene Holzaromen. Der perfekte Essensbegleiter oder als Grillwein.

2009 Müllheimer Reggenhag Spätburgunder Spätlese Barrique Ausbau (15 Euro)

Perfekt. Leichte Röstaromen, würzig, diverse Aromen schwirren im Mund. Sehr, sehr schöner Wein und mein Favorit für die vormittägliche Probe. Das ist der Wein für den Nichtabstieg, den schenke ich Stani zum Abschied wenn wir nicht absteigen sollten.

Zum Abschluss gab es noch zwei Flaschen Gutedel (2009 und 2010) zur Probe mit. Wird die nächsten Tage aufgerissen und mit Euch Stammgästen probiert (solange der Vorrat reicht). Ich fände den klasse für den Sommer (den 2009er), mal was anderes als Sauvignon Blanc oder Lugana.

Blick von der Alten Wache am Münster in Freiburg (Haus der badischen Weine)

Anschließend landete ich in Freiburg noch im Haus der badischen Weine, trank einen Sauvignon Blanc der Bezirkskellerei Markgräflerland (schmeckte mir, war grasig, nussig und fruchtig) und einen Spätburgunder Weißherbst namens Exot 2 vom Weingut Danner aus Durbach (interessanter Rosé, ein bisschen zu blumig). Zum Abschluss brachte mir Frau Grube zwischen Mannheim und Kassel noch einen Spätburgunder trocken vom Weingut Menger-Krug aus Rheinhessen an den Platz im ICE. Preislich natürlich außergewöhnlich, vom Geschmack her ganz ok aber nicht vergleichbar mit den beiden Spätlesen von Dörflinger.

Badische Küche in der Nachmittagssonne

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