Der Hafen, die Lichter, die Weinsucht begleiten…

, am 12:55

Weinprobe mit Blick auf den Hafen

Der freie Montag dient normalerweise der Erholung und Abstinenz. Wir können aber auch keine Einladung abschlagen bzw. die Neugierde auf neue Weinentdeckungen treibt einen dann doch immer wieder zu den Weinmessen der Stadt. Heute lud die Firma CWD (Champagner und Wein Distributionsgesellschaft) im Rahmen des 25-jährigen Firmenjubiläums in das Hotel Hafen Hamburg in die bereits bekannten Räumlichkeiten mit tollen Blick auf den Hafen. Knapp 200 Weine fanden sich in der Degustationsliste und ich war mal wieder überfordert. Generell halten wir immer noch Ausschau nach einem Sauvignon Blanc für die Sommerzeit und so schloss ich mich kurzfristig der Sauvignon-Blanc-Probe im Nebenraum an. War aber sehr langatmig und die drei probierten Sauvignons aus Frankreich, Südafrika und Österreich haben mich nicht von Deck geschrubbt. Generell waren die Preise der angebotenen Weine eher hoch angesetzt und nicht unbedingt passend für unsere kleine Bar.

Nach zwei Schaumweinen (Blanc de Blancs und Brut) von den Golanhöhen (Varden Winery und Gamla), die intensive Aromen boten aber auch zuviel Kohlensäure probierte ich mich durch die Rieslinge des VDP-Weingut Sankt Urbans-Hof von der Saar. Die einfachen Rieslinge hatten einen schönen Schmelz und gutes Frucht-Säurespiel. Die Spätlesen (Saarfeilser Spätlese und Piesporter Goldtröpfchen) waren großartig. Alles auf Schieferboden gewachsen, legen sich schön auf die Zunge. Überraschend frisch die Auslese von 2009 von der Lage Piesporter Goldtröpfchen. Gutes Weingut, das erste Mal probiert. Kann ich mir auf unserer Karte vorstellen.

In meiner Weinprobe bin ich Kapitän

Käptn ACAB hatte indessen mit geschulten Leckerli-Auge den Vin Santo entdeckt. Am Stand vom Castello di Ama gab es einen 2005er Vin Santo aus dem Chianti Classico aus Gaiole im Chianti. Der Stand war gerade unbesetzt und so benetzte die Zunge mit Walnuss-Geschmack und auf den Spuren Vespuccis zogen die Gedanken Richtung Italien. 19,95 Euro für ne 0,5l-Flasche ist auf jeden Fall ein reeller Preis für diese Qualität. Inzwischen kam der Export Manager vom Weingut zum Tisch und bot uns eine Vertikal-Probe der Rotweine an. Spätestens jetzt war der Vorsatz, den Montag Abend einigermaßen nüchtern bei Spargel ausklingen zu lassen, vergessen und todesmutig warfen wir uns in den Tsunami von Sangiovese und Merlot. Wir begannen mit dem Chianti Classico von 2007 aus dem Weingut (23.95 die Flasche). Eine Cuvée aus 4 Trauben, ein großartiger Wein. Sehr schöne Würze, leichte Samtigkeit und Beerenaromen. Der 2004 eine Offenbarung, pelzig wie n neu geborenes Robbenbaby, kuschelig, zum im Arm nehmen, herrlich. Der 2001 hat schon etwas Kraft gelassen und der 1999 war hart und ruppig. N alter Seebär mit fetten Brusthaar.

Als nächstes kam der L´Apparita von 2007 dran. Eine Einzellage, 100%iger Merlot und es werden nur 6000 Flaschen produziert. Der unvermeidliche Parker gab dem Wein 96 Punkte, der Preis liegt bei 99,90 Euro pro Flasche 0,75l. Ich wurde mit der Merlot-Traube etwas versöhnt, schöner Wein aber bei dem Preis habe ich eher noch mehr Freudenmomente erwartet. Auch die beiden nächsten Einzellagen Vigneto Bellavista und Vigneto La Casuccia kosten 99,90 Euro die Flasche, produzieren nur 6000 Flasche und wir hatten die Möglichkeit vertikal von 2007 auf 2001 und 1994 zu probieren. Der Vigneto La Casuccia von 2007 war richtig fett, der “Roter Teufel” der Hanse-Schiffahrt. 80% Sangiovese und 20% Merlot. 2 Bengalos zündeten im Mundraum, der Abgang dramatischer als Romeo und Julia, schöner als die Tore von Paolo Rossi. Alle Daumen nach oben, vier Köpfe Störtebekers für diesen Wein!

Michael Gödecke liess sich Kiel holen und mich allein. Leicht angeduselt ging es wieder in den Nebenraum, wo das Portwein-Gut Fonseca aus Porto mit der Schokoladen-Firma Valrhona aus Frankreich eine Portwein & Schokolade-Probe durchführte. Nach unserer eigenen Portwein- und Schokolade-Probe war ich natürlich angefixt und gesellte mich zu den anderen Portwein-Drosseln. Das Portweingut Fonseca Guimaraens wurde 1822 gegründet, der Gründer musste 1834 aufgrund seiner liberalen politischen Überzeugungen das Land in einem leeren Portweinfass per Schiff nach England verlassen und von dort die Geschicke der Firma weiterführen. Die Schokoladen-Firma Valrhona existiert seit 1922 und ist besonders für die Grand Cru-Schokoladen bekannt.

Die Degustation:

1. 10 year old Tawny und Jivara-Schokolade.

Der Tawny ist 10 Jahre in alten Eichenholz, 105g Restzucker in dieser Cuvee aus 8 Rotweintrauben. Auf 20% Alkohol gespritet. Rotbrauner Geschmack, leichter Nussgeschmack. Die Vollmilchschokolade aus 40% Kakao ergänzt den Geschmack gut, bleibt lange im Mund und hat leichte Karamellnoten.

2. 20 year old Tawny und Tanariva-Schokolade.

Der 20 Jahre im Holzfass gereifte Tawny ist fast kristallin in der Farbe. Man braucht die Portweinmenge von 3 Flaschen, um am Ende eine Flasche zu erreichen. Sehr reduziert, sehr kräftig. Harmoniert perfekt mit der Milchschokolade, die nur aus Kakao-Bohnen aus Madagaskar hergestellt wird. Herrlich! Mjammjam!

3.BIN 27 und Manjari-Schokolade.

Bin 27 ist das Faß der Familie. Ist ein vierjähriger Vintage. Intensive, schmackhafte Frucht, sehr dunkel in der Farbe und schmelzig. Geschmack von Pflaume und dunkler Schokolade. Dazu gibt es eine Schokolade mit 64% Kakao, nur aus Bohnen aus Madagaskar. Leichte Röstnoten und Trockenfrucht-Aromen.

4. Late Bottled Vintage 2005  und Manjari-Schokolade.

Der LBV kommt nach 5 Jahren im Holzfass auf die Flasche. Sehr characktervoll. Dazu gibt es noch mal die gleiche Schokolade oder mein Gaumen ist schon etwas verwirrt.

5. 1995 Vintage Port und Tainori-Schokolade.

Vintage Port werden nur in großen Weinjahren hergestellt. 1997 in die Flasche gefüllt und muss dann lange in der Flasche reife (15 bis 20 Jahre). Muss dekantiert werden, das ist hier auch passiert. Sehr sanft und finessenreich. Klasse Port. Die Schokolade ist aus 64% Kakaobohnen aus der Dominikanischen Republik. Ergänzt sich wieder perfekt aber ich merke da nicht mehr so die Unterschiede bei den Schokoladen. Auf jeden Fall sehr männerlastig die Probe (auf was man auf einmal so achtet und notiert).

6. 2003 Vintage Port und Abinao-Schokolade.

85% Kakao in dieser Schokolade aus Afrika- und Karibik-Bohnen. In Verbindung mit dem Vintage-Port der Hammer. Warum nimmt der Typ neben mir eigentlich immer zwei Stück Schokolade?! Schnorrer-Gesicht!

7. 2008 Vintage und Vintage-Schokolade.

Dieser Vintage ist 2010 auf die Flasche gefüllt. Eigentlich reifen die Vintage-Ports 20 Jahre, dieser ist jetzt schon aufgemacht und ist fantastisch. Davon schmeiß ich ne Flasche beim nächsten Aufstieg! Aromen von Himbeer, Kirsche und ein wenig Pfeffer. Wahnsinn! Dazu eine Vintage-Schokolade aus Trinidad. 65% Kakao.

8. 2008 Vintage Port Single Quinta und Palmira-Schokolade.

Die Portwein-Probe endet mit deser Vintage aus nur einer Lage. Hab keine Worte um den himmlischen Geschmack zu beschreiben. Einfach großartig. Portwein ist toll, Fonseca ist toll, die Schokoladen sind toll, die Weinmesse ist toll, der Hafen ist toll, mein Job ist toll, alles toll.

Einen Kommentar schreiben