Herrenwein und Frauenfußball

, am 20:03

Bahnhofseindrücke

Nach den Besuchen bei Jakob Jung und Heinz Nikolai in Erbach im Rheingau führte uns der Weingaumen dieses Mal zum Weingut Künstler in Hochheim. Für Sonntag Abend hatten A. Nidda und ich Karten für das Finale der Frauenfußball-WM 2011 in Frankfurt und da bot sich der Besuch eines Weingutes in der Nähe von Frankfurt an. Nach kurzer Recherche hüpfte ich freudestrahlend durch die Weinbar, denn das Weingut Künstler liegt nur 20 Minuten mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof Frankfurt entfernt.

Riiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeslingeeeeee!!!!

Die Ersten Gewächse vom Weingut Künstler (www. weingut-kuenstler.de) durfte ich bereits bei der VDP-Präsentation in Hamburg im Januar genießen. Viel interessanter finde ich bei Winzern allerdings die “einfachen” Qualitäten und wir wurden nicht enttäuscht. Zwei örtliche Weinfreaks aus der (Rheing-)Au unterstützten uns und brachten den Besenwirtschaftsführer von Hochheim mit. Im modernen aber dezent eingerichteten Probierraum begannen wir mit dem Liter Riesling von 2010. Eine Cuvée verschiedener Lagen Hochheims schmeckte schon ganz gut und regte die Geschmacksnerven an. Spritzig und fruchtig. Der 2010 Herrnberg trocken ist ein Riesling der gleichnamigen Lage und laut des Weingut-Angestellten ein “Herrenwein”. Salziger Geschmack (wird oft auch mineralisch genannt), ein Duft nach Zitrusstein. Ordentlich was zu kauen. Herrlich. Später bekamen wir auch noch den 2001er dieses Weins zu probieren, eine Spätlese. Der war schon Honigfarben und extrem fruchtig. Würde ich nicht unbedingt als Riesling herausschmecken.

 

Der 2010 Hölle Kabinett trocken wurde in der Preisliste als saftig und kräftig angekündigt, hatte allerdings nicht soviele Geschmacksnuancen wie der Herrnberg zuvor. Der erste Lagenriesling war der 2009 Stein trocken. Eine Dose Ananas-Ringe öffnete sich, im Duft und im Geschmack. Schmeckte aber um Längen besser! Der 2009 Stielweg “Alte Reben” trocken haute mir die Zunge um die Ohren. Fetter Stoff, 45 Jahre alte Reben. Großartig. Der “Ausgiesser” des Weinguts blieb weiterhin leer und vier Probierende schnurrten wie ne kleine Leoparden-Herde. Der 2010 Domdechaney trocken gefiel auch aber die Wonne lag noch im Stielweg. Nach der VDP-Präsentation in Hamburg hatte ich mir eine Kiste vom Ersten Gewächs 2009 Weiß Erd bestellt. In der Blindprobe habe ich ihn nicht wiedererkannt aber der Wein schmeckte großartig. Hatte den Weiß Erd noch erdiger in Erinnerung aber das war schon wieder was ganz Feines.

Der Rieslingfänger von Hochheim mit seinen Flöten

Die Zeit lief uns davon und die Qualität der Spätburgunder aus dem Hochheimer Reichestal hatte sich schon bis St. Pauli rumgesprochen. Die Burgunder waren der passende Abschluß zum Finale, das Elfmeterschießen auf eine spannende Partie. Beginnend mit dem 2008 Reichestal “R” trocken wurde uns eine tiefe Nase präsentiert, ein fetter Stoff. So mag ich die Spätburgunder. Nicht zu elegant aber auch nicht zu überladen. Das Erste Gewächs 2008 Reichestal Spätburgunder hatte einen leichten Pelzmantel auf die Zunge gelegt (lag 11 Monate im Barrique), der 2006 “RR” Reichestal trocken rockte den Laden. Fantastisch im Duft, kirschig aber nicht so dekadent kirschig sondern weich und rund, leichte Tannine auf der Zunge. Das war der Titel “Bester Wein des Tages”.

Die 3 Grazien beim Elfmeterschießen

Rundherum ein guter Auftritt vom Weingut Künstler. Freundlich empfangen, beseelt verabschiedet und zwischendurch mit durchweg guten und teilweise sehr guten Rieslingen und perfekten Spätburgundern unterhalten worden. Zufrieden ging es über eine Besenwirtschaft mit Spundekäs und Handkäs mit Musik Richtung Frankfurt und zum Stadion.

USA links, Japan rechts und Bibi in der Mitte

Vom kleinen Weingut mit verwinkelten und leergefegten Gassen ging es zur Massenattraktion Frauenfußball-WM. Umrahmt von USA- und Japanfahnen ging es ins ausverkaufte Stadion. Als Fußballfan ist das Event-Publikum genauso irritierend wie für einen St. Pauli-Fan die typischen Deutschland-Vollidioten, die auch bei einer Frauen-WM nicht fehlen dürfen. Von der “La Ola” bis zum “Ohne Deutschland wär hier gar nix los!” war alles dabei. Das Spiel war allerdings sehr spannend und fand erst im Elfmeterschießen eine Siegerin.

Verlängerung
Japan feiert die Weine aus dem Rheingau
The winner is 2006 Reichestal “RR” Spätburgunder

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