Nichts ist smoother als die Ruwer – Teil I

, am 21:43

 

Straße ins Glück…

Hinweis in eigener Sache bzw. zur Lesbarkeit:

Leider spinnt unser Blog-System und die Fotos lassen sich nicht richtig in den Artikel sortieren bzw. die Fotounterschriften sind woanders als geplant. Beim Erstellen sieht noch alles normal aus, wenn man es hochlädt nicht mehr. Wer einen Tipp hat woran das liegt bitte per mail an heiko@weinbar-stpauli.de

Hier beginnt jetzt der erste Teil des Artikels:
Der Jubel über das Erstrunden-Los Eintracht Trier für den FC St. Pauli im DFB-Pokal hallte von Hamburg bis ins Stubaital. Es gibt in der ersten oder zweiten Liga ansonsten keinen Verein in der Nähe der Mosel-Weinregion und jetzt das Losglück für vinophile St. Paul-Fans mit Trier. Schnell fanden sich C. Grenouille und B.Adbanker zu einer ausgiebigen Probiertour im Ruwertal zusammen.

Die Hinfahrt am Freitag Morgen begann standesgemäß um 8 Uhr morgens mit einem 2008er Maximin Grünhäuser Riesling von C.von Schubert und einer 2006er Riesling Spätlese vom Eitelsbacher Karthäuserhofberg. Über den fruchtig-langweiligen Gran Reserva aus dem Rio-Oja schlagen wir lieber den Mantel des Verschweigens.
Von Trier ging es direkt in das Hotel am Weingut Karlsmühle nach Mertesdorf. Der Fanclub Alte Schule wäre begeistert gewesen über das 70er-Jahre-Barock-Interieur des Hotels. Aber wir sind Weintrinker und keine Hoteltester und eilten raschen Schrittes den Hügel hinauf bis zum alten Kloster der Karthäuser-Mönche, zum Weingut Karthäuserhof der Familie Tyrell.
Hirsch und Hausherr Eins der besten Weingüter von der Ruwer mit langer Geschichte. 1335 siedelten sich die Karthäuser-Mönche an und betrieben Landwirtschaft und Weinbau. 1803 kaufte das Weingut der ehemalige Superintendent von Napoleon (Verteidigungs-, Innen- und Finanzminister), der Großteile seines Vermögens durch Korruption und Schmiergelder für Rüstungsaufträge gemacht haben soll. Seit 1986 führt Christoph Tyrell den Familienbetrieb weiter und eben dieser begrüßte uns freudestrahlend in seinem Hof. Nach kurzer Einführung in die Geschichte und das Beobachten von rammeligen Hirschen im Weinberg wurden auch wir rammelig und durstig nach den weltbekannten Schieferbomben vom Karthäuserhof.
Im Probierzimmer von 1895 wachte ne Hirschkuh darüber, dass wir auch auf keinem Fall die leckeren Erzeugnisse der Riesling-Rebe ausspucken oder gar ausgießen würden. C. Grenouille hatte nicht zuviel versprochen. Wir reisten die 19 Hektar-Weinberge von Herrn Tyrell hoch und runter und genossen die Jahrgänge 2009 und 2010. Alle 15 probierten Weine hier aufzuführen würde Euch nur langweilen und irgendwann fehlen einem auch die Ausdrücke im Superlativ. Generell sehr satte Weine mit der sprichwörtlichen Mineralik, die ich immer als salzig bezeichne. Das komplette Ruwertal besteht aus Schiefer und das schmeckt man. Besonders herausgeragt sind der 2010 Karthäuserhof Schieferkristall mit intensiver Nase, leicht salzigem Geschmack mit präsenten Gedanken an einen Granny Smith-Apfel, die 2010 Karthäuserhof Alte Reben mit viel Nachhall und ordentlich was zu beissen im Mund und der Gewinner des Tages:
2009 Karthäuserhofberg Grosses Gewächs. Riecht wie ein Obsthof, sehr schmelzig im Mund, liegt mineralisch auf der Zunge, wie ein Salzrand beim Salzwiesenlamm. C. Grenouille würde dafür töten und wer ihn kennt, der weiß dass das nicht nur so dahingesagt ist!
Die fruchtigen Rieslinge waren mir durchweg zu “süß” bzw. der 2010 Karthäuserhofberg Kabinett Große Lage schmeckte wie Schweinefleisch süß-sauer beim Chinesen. Außerhalb der Konkurrenz lief die Karthäuserhofberg Riesling Auslese Nr. 26, die ein Potpourri aus Ananas und Honigmelone ist und die Trockenbeerenauslese Nr. 40 mit einem furiosen Aromengewitter im Mund. Bei einem Flaschenpreis von 129 Euro für ne halbe Buddel aber auch etwas außerhalb des Budgets eines Weinbar-Betreibers.

Weingutbesitzer Christoph Tyrell führte launig durch die zweistündige Schlemmerei und gab einige Anekdoten zum Besten. Bevor das Degustationsmenü im Hotel Weis des Weingut Erben von Beulwitz begann beobachteten wir die Einheimischen beim Austern-Essen und neutralisierten unsere Geschmacksnerven mit einem Pils. Das Durchschnittsalter des gemeinen Mosel-Ruwer-Reisenden ist bei über 60 Jahren und die Terrasse des Restaurants war mit Weißkopf-Adlern gefüllt.
Nach den leckeren Tropfen vom Karthäuserhof war der Start in die Rieslinge von den Erben von Beulwitz etwas holprig. Nach dem Wolfsbarsch auf Spinat und Sorbet war die Trinkfreude zurückgekehrt und aus den Probeschlücken zu jedem weiteren Gang wurde eine leere Flasche Spätburgunder und Spätlese. Der sparsame Blick des Kellners auf die leergelutschte Weinflasche war sein Geld ebenso wert wie das Essen und der Ausblick auf die Weinberge.
Die restlichen Fahrrad- und Kulturreisenden waren eher nervig und fremdschämend. Glücklicherweise waren meine beiden Brummbären am Tisch heiter aufgelegt und liessen die verbalen Peinlichkeiten der Nebentische an uns abprallen.
Am nächsten Morgen fing der frühe Frosch den Wein. Grenouille schnupperte durch den Dorfkern und hatte eine offene Tür bei C.von Schubert entdeckt. Wahrscheinlich hat er die Tür Obelix-mässig eher geöffnet und sich an den Zaubertränken vom Abts- und Herrenberg gelabt. Breit grinsend traf er wieder am Hotel ein, wo uns Jungwinzer Marco van Elkan mit standesgemäßer Limousine zum gleichnamigen “Weingut” fuhr. Das Ehepaar van Elkan besitzt 0,5 Hektar in der Lage Kaseler Nies´chen und macht “nebenbei” schieferbetonte Rieslinge.
Dazu mehr in Teil II…

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