Nichts ist smoother als die Ruwer – Teil II

, am 21:53

Hier geht die Reise in die Ruwer weiter.
Breit grinsend traf er wieder am Hotel ein, wo uns Jungwinzer Marco van Elkan ( www.vanelkan.de ) mit standesgemäßer Limousine zum gleichnamigen “Weingut” fuhr. Das Ehepaar van Elkan besitzt 0,5 Hektar in der Lage Kaseler Nies´chen und macht “nebenbei” schieferbetonte Rieslinge. Die vor sich hingammelnden Flächen taten Marco van Elkan und seiner Frau leid und seit knapp 10 Jahren wird dort nach hohen Qualitätsansprüchen Riesling angebaut.
Im Design-Probierzimmer gab es die richtigen knackigen Tropfen für den Samstag Vormittag. Stark ertragsreduzierte Weine aus der Lage Nies´chen mit hohem Steinanteil im Schiefer. Die Weine werden im Keller vom Weingut Karlsmühle ausgebaut.
Wir probierten:
1. 2010er van|elkan Schiefer-Riesling Kabinett trocken
Riesling mit extremer Säure, feine Mineralik und Boskop-Apfel im Nachhall. Gefiel mir schon mal ganz gut.
2. 2010er van|elkan Schiefer-Riesling feinherb
Feinherb war für mich immer eher ein rotes Tuch. Die Ruwer lässt mich umdenken. Auch bei diesem Weingut gefällt mir der feinherbe Riesling noch besser. Phantastischer, einfacher Riesling. Verhaltener Duft in der Nase, lang im Mund, viel zu kauen. Geschmacksaromen in großer Vielfalt. Sehr schön.
3. 2010er van|elkan Kaseler Nies´chen “Alte Reben” Riesling Spätlese
70 Jahre alte Reben. Sehr stark reduziert im Ertrag. Sehr fruchtig, mir fast zu extrem. Sehr viel Fülle mit angenehmen Säurespiel. Kann den feinherben nicht schlagen aber gefällt auch.
Bevor wir uns an die älteren Jahrgänge wagten kamen wir auf Fußball zu sprechen. Schließlich wartete noch als Unterbrechung in den Weinfreuden das Spiel von St. Pauli bei Eintracht Trier. Der Winzer van Elkan ist der Großcousin von Norbert Siegmann. Mal sehen bei wie vielen Leuten jetzt die Glocken läuten. Wir grätschten in zwei ältere Jahrgänge als Vergleich.
4. 2009er van|elkan Schiefer-Riesling Kabinett trocken
Auch dieser Riesling ist spontan vergoren, viel Zitrus im Mund, leicht mineralisch. Der 2010er ist eher mein Stil, Grenouille gefiel der 2009er besser.
5. 2006 er van|elkan Schiefer-Riesling Kabinett trocken
Dieser Kabinett wurde runtergestuft von einer Spätlese. Schmeckt fast wie ne Auslese und hat einige Reifetöne. Die Rieslinge von van Elkan haben auf jeden Fall Lagerungspotential, auch wenn ich beim feinherben als Favoriten blieb.
(Tata, jetzt kommt der Top-Übergang:) Als Favorit bewegten wir uns auch zum Spiel. Rund ums Stadion war noch nicht allzu viel los. Zum Spiel selber fällt einem nichts mehr ein. Peinlich. Niederschmetternd. Frustrierend. Ein Pinot Grigio von Netto im Gewand eines Grauburgunders von Salwey. Voller Erwartungen auf den Einzug in die nächste Runde und am Ende wurde man ausgelacht von Mosel-Indianern und schieferlosen Provinz-Ultra-Idioten. Das Sahnehäubchen auf dem bitteren, abgestandenen Instant-Kaffee war der Nichtverkauf von Wein im Stadion. In Freiburg, Hoffenheim, Mainz oder Kaiserslautern gibt es Wein im Stadion. Das kann man in Weinregionen auch erwarten aber in Trier bekommt als Antwort in der Kneipe der Haupttribüne „Wein gibbet nicht. Hier gibt es nur Bier. Wir sind beim Fußball!!“
Den ließen wir schnell hinter uns und versuchten die Enttäuschung mit einer weiteren Weinprobe wett zu machen.
Diese folgt im dritten Teil…

5 Reaktionen zu “Nichts ist smoother als die Ruwer – Teil II”

  1. C. Grenouille

    In der Bahn tranken wir eine 2005er Spätlese trocken.

    Mitnichten sind die fruchtigen Weine des Karthäuserhofes zu süß oder was auch immer, sondern ein hervorragendes Beispiel für ein äußerst gelungenes Süß-Säurespiel mit einer Länge, die absolute Rieslingspitze darstellt.
    Auch ein Weinbarbetreiber sollte da keine launigen Chinavergleiche anstellen.

    Zu meinem Kommentar des GG 2009 gibt es nix hinzuzufügen.

    Hätte ich aber schon auf der Terrasse derer von Beulwitz gewußt, wie Du den Karthäuserhof teilweise kommentierst, hätten einige der megapeinlichen Wandertouris gleich ne deutliche Ansage bekommen.

    Die wunderbaren Erzeugnisse des Abtsberges mußte ich wegen Konditionsproblemen meiner Mitreisenden leider solo verkosten.

    Das Projekt, sowie Weine und Gastfreundschaft der Familie Van Elkan, genossen wir dann wieder zu Dritt.

    Leider ist es bei Kombiweinfussireisen unseres Fc St.P oft so, daß gerade die 90 Minuten Fussi dann nur stören………

    aber wir waren im Ruwertal ja noch nicht am Ende ……..

    C.G.

  2. Weinbarbesitzer

    Excusez moi Monsieur Grenouille,
    zu lang am Grab von Heidi Kabel geschnuppert?
    Vom Rasenmäher gefallen?
    Die fruchtigen Weine vom Karthäuserhof mögen ein gelungenes Süß-Säurespiel haben aber mein Spiel ist das nicht. Und bitte keine China-Feindlichkeit! Das chinesische Essen kann auf jeden Fall mit den Frosch-Schenkeln und Kalbsnieren der Franzosen mithalten!

    Respekt auf jeden Fall für deinen morgendlichen Überfall bei C. von Schubert. Nach dem Zähneputzen direkt mit dem Abtsberg zu gurgeln ist a la bonneur!

    En chanté!

  3. raphael

    Also, jetzt bekommt die ganze Angelegenheit wirklich langsam ein Geschmäckle… ;-)

  4. C. Grenouille

    Tja meine Herren,

    wollen wir doch mal für die Leser klarstellen, warum ich zu diesem schönen Aliasnamen gekommen bin.

    Mitnichten wegen Vorlieben für allerlei komische Essengewohnheiten unserer südwestlichen Nachbarn,sondern weil der C.G. die These aufgestellt hat, daß man bei Rotwein keinen Wein ausser von eben diesen Nachbarn benötigt,um weingeschmackstechnisch glücklich zu werden!
    Ich träume immer noch von getrunkenen Bourgogne Grand Cru Richebourg etc., Bordeaux Chateau Montrose etc., Chateauneuf du Pape (Domaine de Marcoux mein lieber Weinbarbesitzer!), Languedoc, Provence, weitere Rhone,Madiran usw.

    Und ich glaube, der Abtsberg hat mit seiner stahlig feinen Säure meine Zähne geschliffener poliert, als es deine Süpermarktcolgate je könnte………

    darauf gleich noch ein Glas van Elkan feinherb, den ich dem neuen Henseljahrgang deutlich vorziehe.
    Um es mit den Worten von B.angster zu sagen: wer braucht schon den Geschmack von aufgelösten Gummibärchen im Mund!

    Salud!

  5. heiko

    Also mein kleiner Landschafts-Frosch, hat Dich ein Storch über den Friedhof gejagt?! Der Hensel ist ja wohl das Zitrusfeuer und ein Energie-Drink erster Güte! Deine Weinvorlieben sind mir wohlbekannt und auch der preisliche Rahmen in denen diese sich bewegen. Wenn Sophie Marceau mein Werben endlich erhöht werde ich da auch mal einkaufen gehen. Jetzt aber schon mal Kraft sammeln für eine weitere Fahrt mit Grenouille und B.adbanker.