Nichts ist smoother als die Ruwer – Teil III

, am 22:20

Hier beginnt der dritte Teil der Ruwer-Trilogie…

„Der Deutsche ist einfach bekloppt!“

Der Start in die abendliche Weinprobe beim Weingut Karlsmühle war etwas verhalten und zäh. Irgendwie sitzt einem so eine unnötige Niederlage im Kopf und senkt die Stimmung. Doch Winzer Peter Geiben schaffte es in kürzester Zeit mit seiner unterhaltsamen Art die Sinne auf seine Rieslinge zu schärfen und den Gemütszustand wieder auf Ruwer-Niveau zu heben.
Ähnlich wie beim Karthäuserhof wird auch beim Weingut Karlsmühle schon seit der Zeit Napoleons Weinbau betrieben, seit Ende der 70er Jahre von Peter Geiben. Zu Beginn gab es eine kleine Einführung in das Ruwertal. Das Klima ist geprägt durch heisse Tage und kühle bis kalte Nächte. Die Berge in der Nähe der Ruwer sind bis zu 700 m hoch und geben in der Nacht Kaltluft ab. Für Rotweine sind die Bodenverhältnisse nicht perfekt, aus diesem Grunde wird zu 98% an der Ruwer Weißwein angebaut. Das Weingut Karlsmühle hat im Alleinbeseitz die Lage „Lorenzhöfer“ und darüber hinaus Lagen im „Kaseler Nies´chen“ u.a.. Insgesamt 12 Hektar bringen 54 verschiedene Positionen auf der Weinliste, die wir allerdings nicht alle probieren wollten (oder durften?).
Peter Geiben hob von Beginn an seine feinherben Rieslinge hervor und bezeichnete die halbtrockenen als „schmeckt wie zweimal getrunken“. Wir begannen mit den trockenen Riesling im Liter von 2010, den Molaris L. 2010 zum Lorenzhöfer Alte Reben von 2010. Die Alte Reben von Lorenzhöfer sehr satt, fast wie ein Maoam Zitrone mit dickem Aroma. Im Anschluss kamen die feinherben. Der 2010er Riesling feinherb im Liter großartig. Kitzelt die Zunge, löst die Spucke vom Gaumen und ist sehr saftig. Der Molaris L. feinherb mit einem langen Nachhall und leicht schmelzig zum Lieblingswein des Winzers, dem Kaseler Nies´chen Riesling Kabinett feinherb von 2010. Ich fand den nicht ganz so präsent wie den Molaris L. aber hatte auch ein bisschen was zu kauen. Sehr feine Weine. Fein war auch die Unterhaltung des Winzers, der einen Winzer-Kalauer nach dem anderen raushaute und für viel Gelächter sorgte.
Die richtige Art, um frustrierte St. Pauli-Fans zu umsorgen. Nicht nur die Überschrift entstand im Rahmen der Weinprobe, auch die Sätze „Wer beim Weißburgunder bleibt hat Geschmacksverfehlungen“, „der Weißburgunder ist die hässlichste Frau unter den Hässlichen!“ und „Das deutsche Volk ist leidensfähig bzw. will leiden und kauft immer trockene Rieslinge“ fielen trocken zwischen Eingießen und Probieren. Die beiden fruchtsüssen Riesling Kabinett Kaseler Nies´chen von 2010 und Riesling Spätlese Kaseler Nies´chen von 2010 waren erneut nicht mein Stück Kuchen. Etwas säurebetonter als beim Karthäuserhof aber das süßliche auf der Zunge ist eher was für Schleckermäulchen Grenouille und die spontan dazu gestoßenen D. Basch samt A. Friesinger. Weingut-Besitzer Peter Geiben kam aber langsam in Form und haute noch mal ordentlich was raus. Nachdem dezenten Hinweis, dass „der beste Wein von der Mosel wächst an der Saar, der beste Saar-Wein an der Ruwer“ zog er das Gewinnerlos, den 1999er Lorenzhöfer Riesling Auslese mit Goldkapsel. Satter, fetter Stoff. Trotz des fortgeschrittenen Alters ein rassiger Wein mit dicker Schmelze und vielen Aromen zum darauf herumkauen. Die Flasche war schon 3 Wochen auf und trotzdem ein Hochgenuss. Die Bestellscheine flatterten nur so durch den Keller. Als Vergleich zog Geiben noch eine weitere Flasche auf, die wir erraten sollten. Ich griff mal wieder voll daneben (ein Gewürztraminer?) aber C. Grenouille spielte seine hundertjährige Riesling-Erfahrung aus und tippte auf einen edelsüssen Riesling mit einer Herkunft von vor mindestens 30 Jahren. Das wurde bejaht und als sein Tipp „1976“ auch noch richtig war, war der Abend gerettet und mehrmals wurde ich darauf hingewiesen, dass ich das auf jeden Fall schreiben muss.
C. Grenouille hat eine 1976 Riesling Auslese vom Weingut Karlsmühle erraten! Nicht schlecht aber noch steigerungsfähig!
Im Anschluss spazierten wir auf der ehemaligen Bahnstrecke entlang ins Nebendorf zu einem Weingut mit Weinbar. Dort gab es bezahlbare Ruwer-Weine und leckeres Essen. Hase und Igel-mäßig saß Peter Geiben schon dort und grinste uns breit an. Cooler Typ mit guten Weinen! Schönes Ende einer smoothigen Tour an der Ruwer. Auf dem Rückweg tranken wir noch ein paar Gläschen der besuchten Winzer aber M. Uffel und Q. Uengel im Abteil wurden von Stunde zu Stunde ungnädiger ob des montäglichen Arbeitsalltages der bevorstand.

Eine Reaktion zu “Nichts ist smoother als die Ruwer – Teil III”

  1. C. Grenouille

    Oh, Oh,

    beim Lesen bin ich gaaaanz rot geworden………